Alltag
25 Mai 2013
...Vater sein dagegen sehr?
... ich habe einen Sohn, der vor ein paar Tagen zum zweiten Mal Vater einer Tochter wurde. Er ist ein hingebungsvoller Vater und Partner für seine Frau und füllt nach modernen Maßstäben ganz wunderbar seine Rolle aus...
...aber überzeugt mich das, dass wir hier so was wie einen neuzeitlichen, kulturell auf den Weg gebrachten, evolutionären (Fort)Schritt haben? Nein, eigentlich nicht!
Der, oft verdeckt laufende, Kulturkampf der Geschlechter, in dem sich heutzutage etliche Frauen aufreiben (und allen voran diejenigen, die sich als Feministinnen sehen), will mit Macht den (Durchschnitts)Mann zu einem per se fürsorgenden Vater programmieren und zu einem verantwortungsbewussten Alltagspartner für die (Haus)Frau (und Mutter der Kinder). Was auf der Grundlage des klassischen (Klein)Familienkonzeptes wahrscheinlich nur temporär gelingen wird.
Es ist einfach nicht artgerecht, dass zwei, oder gar nur ein, erwachsener Mensch ohne weitere dauerhafte Unterstützung mit einem oder mehren Kindern vor sich hin wurschtelt und für die Zeit der (Erwerbs)Arbeit und der Herzens- und Wissensbildung ihrer Kinder sowie zur Gestaltung von sozialen Beziehungen (Erlernen der sozialen Kompetenzen), die Hilfe von absolut „Fremden“ annehmen (muss).
Die Väter, die gern und willig für ihren Nachwuchs und die junge Mutter sorgen, erfüllen eigentlich keinen Vaterauftrag der Natur (gibt es bei den Säugetierarten nicht), sondern sie haben den Part der Mutterbrüder übernommen, den diese urtümlich in den Sippen innehatten. Die patriarchösen Regeln unserer Gesellschaft zwingen die heutigen Väter darüber hinaus den umfangreichen, jedoch nicht mehr vorhandenen, aber nach wie vor benötigten Komplex der Fürsorgetätigkeit durch weibliche, angehörende Sippenmitglieder, allein zu ersetzen.
Die jungen Väter der Moderne agieren sozusagen unter erschwerten Bedingungen, denn sie sind weder wirklich darauf vorbereitet, noch verfügen sie naturgemäß über das Körpergefühl und das Vorstellungsvermögen sich in eine Frau, die schwanger war, gerade geboren hat und nun ihr Kind nähren muss, hineinzuversetzen. Da die Eltern eines Kindes natürlicherweise nicht miteinander verwandt sind und heutzutage auch sonst eher selten miteinander aufwuchsen, besteht in der Regel zwischen Mutter und Vater des Kindes höchst selten das vertraute Band der Kindheit und Jugend (wodurch man sich schon gut kennt) und die meisten Beziehungen sind daher geprägt von der harten Arbeit des Kennenlernens und des sich vertraut machen, um über die erotische Anziehung hinaus auch den wirtschaftlichen Minibetrieb, die Kleinfamilie, verlässlich am Laufen zu halten. Eine noch so gut gepflegte Beziehung zwischen den Lebenspartnern wirft doch immer wieder Fragen oder Probleme auf und erfordert so, nach Art von Fuzzylogic, eben die berühmte Beziehungsarbeit, die in der Regel nie abreißt, da beispielsweise mit dem Alter die erotische Attraktivität nachlässt oder andere Unwägbarkeiten die Paarbalance gefährden.
Unsere kulturell geschaffene (unnatürliche) Art der fixen Paarbeziehung, als derzeit einzige akzeptierte Lebensgemeinschaft, ist genau so anormal und ungeeignet Kinder artgerecht aufwachsen zu lassen, wie das inzwischen gesellschaftsfähige Leben als „alleinerziehende“ Mutter (oder Vater).
Einer der häufigen Denkfehler unserer Zeit ist immer noch die (Bibel)Vorstellung, dass schon immer lediglich das autark agierendes Elternpaar der natürliche Ausgangspunkt der Menschwerdung gewesen ist. „Die Eltern“ waren einst die Älteren, aber nicht speziell, wie heute immer vorausgesetzt wird, die aktuelle, auf ein bestimmtes Kind bezogene Kombination eines Vaters und einer Mutter.
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04 Mai 2013
Perspektivwechsel
Redaktionssitzung mit Baby –
unruhiges Töchterchen wechselt aus dem Arm der Mutter auf Papa's
Schoß und gleich strahlt das Baby wieder - denn jetzt hat sie eine völlig neue
Sicht auf die Mama. Das Kind brabbelt fröhlich vor sich hin, ob der
veränderten Perspektive, die für sie den Raum verändert. Sie freut sich über den anderen
Blickwinkel, welcher dieselben anwesenden Menschen neu erscheinen lässt.
Die Perspektive zu wechseln kann - die Laune heben, die Neugier
anstacheln und die manchmal dröge Realität in einem
interessanteren Licht erscheinen lassen...
aber so ist das Leben für Baby auch ganz wunderbar...
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30 April 2013
Matrifokal
Von der Idee die Muttersippe wieder
aufleben zu lassen
ein Kommentar von Stephanie Ursula
Gogolin
... vor ein paar Wochen dümpelte im
Netz die Testpedition: Gesetzliche
Einführung
eines
alternativen
Familienmodells
zur
Ehe
(wahlweise)*
vor sich hin. Die Petition ist bei 52 Stimmen steckengeblieben. Da
das seit Jahre mein Thema ist, ich fasse hierzu meine Gedanken
zusammen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen
Meinungen gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern
nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die
Grundlage der Familie ist immer das Paarkonstrukt auf der Grundlage
von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je,
unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen - sprich unseren
Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu
daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der
konsanguinen**- der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen
daher Welten.
Denken wir doch bitte daran, was die
„Familie“ einst eigentlich war - der Herrschaftsbereich eines
privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur
inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher
kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch
ein bestimmter Effekt bestehend: Zwei Fremden verbinden sich per
Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht in allen
Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen. Das muss
heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung
enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger
gesellschaftsfähig geworden. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben
lang aus, ob der Andere der „Richtige“ ist. Die meisten der Paare
leben dann in einer serielle Monogamie und betreiben nebenbei eine
Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist daher heute zunehmend von
der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die
Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität
üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.
Die Beinahe-Gleichberechtigung der Frau
in unserer Gesellschaft lässt uns immer wieder gern übersehen, dass
die bestehende Gesetzeslage vor allem die eheliche Verbindung, sprich
das heteronormative Paar, schützt und fördert. Das Ehepaar gilt als
klassische Grundlage der Familie und schließt inzwischen außer den
Kindern, alle anderen Mitglieder beider Herkunftsfamilien rechtlich
aus. Ein Gemeinschaftsleben im matrilinear-matrifokalen Verständnis
ist derzeit weder im Mainstream noch in den Gesetzen des Staates
vorgesehen. Das gilt es zu ändern.
Der hier als Alternative aufgezeigte
Matriclan hat als Grundlage die Struktur einer Muttersippe,
matrilinear und matrifokal, also so wie sich ursprünglich die Basis
des menschlichen Zusammenlebens gestaltete. Dass die konsanguine
Matrigemeinschaft, hier Matriclan genannt, nicht nur wirklich eine
Alternative zur etablierten Kleinfamilie wäre, sondern bestimmt die
bessere Variante sein wird, wurde in dem avaaz – Vorschlag klar
benannt. Natürlich ist dieses Projekt noch lange nicht zu Ende
gedacht. Vielleicht ist es in manchen Punkten noch zu futuristisch,
aber es besitzt das Potential zur Bewegung anzuwachsen - ähnlich der
nicht mehr tot zu kriegenden Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen.
Und ich bin überzeugt, die beiden Ideen bedingen einander und werden
in der Praxis zusammenwachsen.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen Matrigemeinschaft. Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich unter dem Abnablungsdogma Schritt für Schritt auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn eine Leere, die auch noch als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird. Und um diese Leere des sozialen Vakuums mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen Matrigemeinschaft. Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich unter dem Abnablungsdogma Schritt für Schritt auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn eine Leere, die auch noch als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird. Und um diese Leere des sozialen Vakuums mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Wenn wir die Idee einer
Lebensgemeinschaft in Mütterlicher Linie etablieren wollen, ist die
gesellschaftliche Anerkennung auch innerhalb der Gesetzgebung eine
zwingende Voraussetzung. Die Grundlage bisheriger Gemeinschaften und
Gesellschaften sind und waren immer die natürlichen, die innigen und
tragenden Beziehungsgeflechte der blutsverwandten Angehörigen. Diese
evolutionäre Strategie des Menschen in einer natürlichen
(biologischen), mutterbezogenen Ordnung zu leben, wird seit
Jahrhunderten durch das patriarchöse System gründlich
ausgehebelt.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten „Matriclans“ ist, dass keine sexuellen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen. Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche Blutsverwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebensgemeinschaft, die gesetzlich zu schützen wäre. Wenn ich also zum Beispiel mit meiner Tochter und ihren Kindern, so eine Lebensgemeinschaft praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: (Bluts)verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten „Matriclans“ ist, dass keine sexuellen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen. Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche Blutsverwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebensgemeinschaft, die gesetzlich zu schützen wäre. Wenn ich also zum Beispiel mit meiner Tochter und ihren Kindern, so eine Lebensgemeinschaft praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: (Bluts)verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht.
In unserem derzeitigen Verständnis
jedoch sind Erwachsene autonom und werden solange als ungebunden
angesehen, bis sie sich zu einem Partner zugehörig erklären. Diese
Art Partnerschaft ist derzeit die einzige legitime und als
förderungswürdig angesehene Lebensgemeinschaft – wobei der Ehe
immer noch die höchsten Weihen zugesprochen werden. Auch eine
eingetragene Lebenspartnerschaft reicht rechtlich nicht völlig an
den geheiligten Ehestatus heran.
Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat das praktizierte Patriarchat verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das Energiefeld der Mutter und somit an die Herkunftssippe. Die Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur. Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist. Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf die (lebenslange) Bindung zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantischen Liebe zu stillen. Die weiblichen Energiefelder in der mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und die Herkunftsbindung wurde über die Vaterlinie festgeschrieben - die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine "Ehe" unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn - Tochterskinder ist nicht möglich.
Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat das praktizierte Patriarchat verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das Energiefeld der Mutter und somit an die Herkunftssippe. Die Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur. Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist. Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf die (lebenslange) Bindung zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantischen Liebe zu stillen. Die weiblichen Energiefelder in der mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und die Herkunftsbindung wurde über die Vaterlinie festgeschrieben - die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine "Ehe" unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn - Tochterskinder ist nicht möglich.
Das erotische Begehren, eine sexuelle
Betätigung, fände außerhalb dieser Lebensgemeinschaft statt, daher
wäre es auch angesagt die nun mehr veralteten Inzestgesetze zu
reformieren. Die klassische Ehe, als patriarchal verordnete
Institution, wurde im christlich geprägten Abendland, als einziger
Ort der legitimierten Sexualität bestimmt und die Ehe wiederum gilt
immer noch als die Basis der (Klein)Familie. Der Geist der
Institution Familie besteht nach wie vor darin den Mann als den Herr
des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn
beispielsweise drei erwachsene und mit einander verwandte Frauen eine
Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als
alleinstehend.
Es gilt also eine echte Alternative zur
Ehe/Familie anzustreben und bereits bestehende konsanguine
Verwandtschaftsverhältnisse als offizielle Lebensgemeinschaft
anzuerkennen. Und diese müssten in unserer Gesellschaft genauso
gesetzlich gefördert werden, wie die klassische Ehe mit
Familienstatus. Der Hauptaspekt, der hier angedachten
Lebensgemeinschaft „Matriclan“ beziehungsweise Muttersippe, ist
der generationsübergreifende Effekt des Zusammenlebens und somit das
geborgene Eingebettetsein der Kinder in eine verlässliche
Sippengemeinschaft.
Bisher läuft es im gesellschaftlichen
Verständnis und in der Gesetzeslage so ab - wenn ein älteres
Ehepaar oder auch nur eine Mutter oder ein Vater mit seinen bereits
erwachsenen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt oder unter einen
Dach zusammenlebt, so ist das zwar möglich, sie sind jedoch bei
aller natürlicher Bindung keine verbundene Lebensgemeinschaft. Jeder
Erwachsene, außer den Eheleuten zählt einzeln (und wird auch
entsprechend versteuert). Auch wenn (kleine) Kinder zu einer Person
gehören, bilden sie mit ihrer derzeit ungebunden Mutter (oder Vater)
eine eigene Lebensgemeinschaft und diese fallen dann unter den
modernen Begriff der Alleinerziehenden.
Ich empfinde es als absurd, aber sowohl
vom Gesetz sowie durch die mainstreamige Gesellschaftsmeinung wird
jeder Erwachsene grundsätzlich ab der Volljährigkeit als autonome
„Lebensgemeinschaft" gehandelt, bis eine Paarbildung erfolgt,
also geheiratet wird oder man sich in einer Beziehung zusammentut.
Damit beginnt auch die gegenseitige Fürsorgepflicht (in guten wie in
schlechten Tagen), die der Paarbeziehung zugeordnet wird. Alle
anderen Verwandtschaftsbeziehungen rücken endgültig in die zweite
Reihe. Demnach ist im modernen Verständnis Blutsverwandtschaft nur
im Kindesalter wirklich relevant. Natürlich bleibt eine gewisse
moralische (und bedingt gesetzliche) Pflicht sich bspw. um
pflegebedürftige Eltern zu kümmern, schließlich bleibt das
Verwandtschaftsverhältnis bestehen, aber wie bekannt genießt der
Partner immer die Vorrangstellung.
Der noch vor Jahrzehnten in der
patriarchalen Familienstruktur beschworene Zusammenhalt hat sich in
den heutigen Tagen sehr gelockert. Die zu einem Berufsalltag
gehörende Verhinderung von Nähe stört auch ein kontinuierliches
Festigen der Familienbande. Daher ist Fürsorge und Pflege innerhalb
der Herkunftsfamilien zwar immer noch durchaus üblich,
gesellschaftlich gesehen jedoch weder eine anerkannte noch geschätzte
Arbeit. Diese Zuwendung wird im Alltag neben der Familienarbeit und
der honorierten Erwerbstätigkeiten irgendwie verquetscht. In der
Regel betrifft diese dreifache Belastung dann die Frau - die
Familienmutter.
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ - Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ - Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:
- Verstärkter Schutz von Müttern und Kindern
- Lückenlose Betreuung von Kindern, Alten und Pflegebedürftigen
- Gewaltfreies Zusammenleben in einem intakten sozialen Verbund
- Perspektivisch ökologischer Landbau und Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage
(** verwandt durch Geburt, also
blutsverwandt in mütterlichen Linie
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Tochter
22 April 2013
Über die Grausamkeit in Märchen
...aus gegebenen Anlass ein Text aus meiner Schublade...
Ich hörte und las als Kind Märchen,
ohne immer deren wirklichen tieferen Sinn zu erahnen. Später liebte ich
jede Art von historischem Roman. Im Prinzip sind diese auch nichts
anderes als anders aufbereitete Märchen für Erwachsene. Denn auch
ein Märchen – eine Mär - ist eine durch Weitersagen hundertfach
gewandelte, fantasievoll ausgeschmückte und doch erinnerte wahre
Kunde. Die überlieferten Märchen sind Dokumente aus vergangenen
Zeiten, das sogenannte herabgesunkenes Kulturgut und leider sind sie
ohne verbindliche Zeitangabe. „Es war einmal...“ oder „...vor
langer Zeit trug es sich zu...“ - wir kennen das ja.
Geschichte war in der Schule eines
meiner Lieblingsfächer und ich nehme heute noch begierig alles auf,
was mich an die vergangenen Zeiten anschließt. Ich bin mehr denn je
an Geschichte interessiert. Aber mein Interesse und meine Kenntnisse
erstrecken sich nicht nur über die, mir einst zur Verfügung
gestellten und oft kärgliche und fehlinterpretierte Faktenlage,
sondern ich werte viel mehr selbst Alles aus. Ich stelle dabei
Querverbindungen her, die sonst so nicht üblich sind. Für mich
steckt in allem eine Spur, die uns hilft unsere lange
Menschengeschichte zu verstehen und für mich sind ganz andere Fakten
und Hinweise relevant – nicht alles ist ein Kultgegenstand und
nicht jede gefundene Speerspitze ist der Ausdruck von beginnender
Kultur.
Inzwischen kenne ich mich ganz gut aus
in der Welt meiner (unserer) Ahninnen. Auch weil ich mich schon lange
mit all meinen Sinnen, meinem Wissen und meiner mir zur Verfügung
stehenden Imagination, in den Welten der Vergangenheit (und der
Zukunft) aufhalte.
Das anfängliche Menschenleben
beinhaltete neben einem simpel und zufriedenstellenden
und bestimmt auch glücklich erlebten Alltag, ebenso Schmerz, Leid (Verlust) und
Tod. Und eines Tages fingen die Menschen an, alles was sie erlebt
hatten und dessen sie sich erinnerten, bewusst an ihre Nachkommen
weiterzugeben. Geschichten und Geschichte ist ein und dassSelbe, denn
auch unsere Fantasie schöpft nur aus tatsächlichen Überlieferungen
oder selbst gemachten Erfahrungen.
Das überlieferte Märchen ist kein
unwirkliches Fantasieprodukt, so wie heute der Begriff des Märchens
manchmal gebraucht wird. Allerdings bietet es viele (literarische)
Möglichkeiten, z.B. können die aktuellen politischen Verhältnisse
kritisiert werden, indem wir sie in vergangene Zeiten verlegen.
Bestehende kulturelle Verhältnisse und neue Ideologien sickern absichtlich oder unwissend in die Berichte der
Ereignisse ein, die vor langer Zeit statt gefunden haben. Oder vielleicht getarnt als Moral und Sittlichkeit oder als Trost in trostlosen
Zeiten. Auch die uns nicht unbekannte Vorstellung von den „guten“
vergangenen (alten) Zeiten speist sich aus dieser Quelle.
Doch genug Vorrede, kommen wir zu all
den Märchen, die ob der in ihnen vorkommenden Grausamkeiten getadelt
werden und heute nur modifiziert in die Kinderzimmer vordringen
dürfen. Und da gilt es erst einmal die Tatsache zur Kenntnis zu
nehmen, dass die erzählte Mär und die weitergesagte Sage, nicht als
harmlose Gute-Nacht-Geschichte für Kinder in die Welt gesetzt wurde.
Märchen waren Unterhaltung für Erwachsene bevor sie als bunte
Klischees in heutigen Kinderzimmern landeten.
Ich meine, die Grausamkeit die zur
Grundausstattung vieler Märchen gehört, steht vor allem für eines:
für die Ungeheuerlichkeit einer tatsächlich vorangegangenen, einer
begangenen Tat. Auch in all den Märchen wird letztendlich über
tatsächliche Geschehnisse berichtet und sie dienten auch der
Verarbeitung von Erlebnissen oder als Vorbereitung auf eventuell
erfolgende Gräuel.
Denn Grausamkeit, einmal in die Welt
gesetzt, breitet sich aus und ist nur schwer einzudämmen. Da kommt
Vergeltung und Rache ins Spiel und manchmal beginnt es nur mit dem
Gedanken, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Begangene
Grausamkeiten mit erneuten Grausamkeiten zu sühnen finden wir als
gängige Praxis schon in den alttestamentarischen Zeiten (Auge um
Auge, Zahn um Zahn).
Hier handelt sich m.E. um eine
Konditionierung zur Akzeptanz von Grausamkeiten,
welche real als rigide Bestrafung und Abschreckung bei
gemeinschaftsschädlichem Fehlverhalten durch die jeweilige Exekutive
demonstriert wurde. Und damit sind wir bereits mittendrin in dem gut
funktionierenden patristischen System.
Mögen die Grundlagen unserer sehr
alten Märchen noch aus Zeiten stammen, da „Gewalt“ noch Walten
und Wirken bedeutete, also eher mit verwalten übereinstimmte und
nicht als Synonym für (männliche) Willkür, Repressalien,
Unterdrückung, Regression und Abschlachten daherkam. Die
Jahrhunderte der Grausamkeiten und des Blutvergießens haben leider ihre
Spuren in den Mären hinterlassen, die vielleicht einst von
friedlichen Zeiten berichteten. Die Geschichte veränderte sich und
mit ihr die Geschichten.
Sicher gibt es immer noch Märchen, die
von guten Entwicklungen, von Bewältigung des Alltags oder
liebenswerter Tolpatschigkeit handeln und in denen niemand Schaden an
Leib und Leben nimmt. Aber wir haben uns auch an ein gewisses
Gewaltpotential gewöhnt und „harmlose Literatur“ für Erwachsene
und Kinder ist heute scheinbar uncool. Krimi-Literatur und -Filme boomen immer noch. Mich wundert das nicht.
Schließlich sind ja mehrere Generationen mit Hänsel und Gretel und
der bösen Knusperhexe aufgewachsen und für bestimmte (männliche)
Zielgruppen werden wilden Spielen, Action und Wettkampf kreiert. Auch
die heute geschriebenen Geschichten für Kinder und Jugendliche gehen
für den jugendlichen Protagonisten kaum noch ohne ein gerüttelt Maß
an Gefahr, Herausforderung, risikoreiche Betriebsamkeit und dem
berühmten Kampf „Gut gegen Böse“ durch.
Hänsel und Gretel oder Die
Knusperhexe - dieses Märchen eignet sich in vieler Hinsicht ganz
gut, die uns bekannte und verharmloste Märchengrausamkeit zu
untersuchen.
Einen Menschen bei
vollem Bewusstsein und absichtlich zu verbrennen und dabei noch zuzusehen, ist für mich
eine unvorstellbare Entsetzlichkeit, ein so furchtbarer Gedanke, das
ich den eigentlich nicht zulassen kann. Im Märchen wird diese
unvorstellbare Brutalität verniedlicht. Natürlich geschah es der
„böse“ Hexe recht – hat sie doch die Kinder bedroht und Gretel
sah keine andere Möglichkeit sich und ihren Bruder zu retten, als
die Hexe ins Feuer des Backofen zu stoßen. Denn diese hat den Kindern
angedroht, sie zu fressen.
„Gretel lief fort und die gottlose
Hexe musste elendiglich verbrennen.“
Das arme Mädchen war zuvor auf sich
gestellt, niemand, auch nicht der Bruder konnte ihr helfen. Und dazu
kam noch ihre zuvor gemachten Erfahrungen: die einzige, ihr
nahestehende Frau, ihre Mutter, hatte sie bereits verraten und ihren
Bruder und sie im Wald ausgesetzt. Da sehen wir dem Mädchen ihre
Tat, die Tötung der Hexe, gern nach und plädieren
selbstverständlich auf Notwehr. Außerdem ist bekanntermaßen eine
Hexe per se böse und es ist normal, dass diese geballte weibliche
Boshaftigkeit bestraft werden muss, zumal noch einmal ausdrücklich
auf die Gottlosigkeit des Hexenweibes hingewiesen wird.
Den Kindern war es also gelungen zu
entkommen und sie kehrten nach Hause zurück. Und da inzwischen die
Mutter gestorben war, lebten die Kinder von den Schätzen der Hexe
glücklich und in Freunden mit ihrem Vater zusammen. Welch viele
versteckte Hinweise auf weit zurückliegendes Brauchtum. Und was für
eine Ansammlung von infamen Darstellungen wirklicher Weiblichkeit
findet heute, verharmlost und mit bunten Bildern versehen, Einlass in
die Kinderzimmer.
Vordergründig können wir
argumentieren, dass das heutige Kind seinen Alltagsfrust, den es mit der
Mutter oder anderen weiblichen Bezugspersonen hat, in
Backofengewaltfantasien umsetzt kann und sich so auf der psychischen
Ebene zur Wehr setzt. Unterschwellig jedoch lassen wir dabei
ganz andere Botschaft zu: Mütter und andere böse Frauen werden vom
Schicksal (und ihren Kindern) bestraft, denn sie lassen ihre Kinder
im Stich oder nutzen sie nur aus.
Manch eine empfindet heute das
klassische Märchen als ein raffiniert eingesetztes Kampfmittel im
Krieg gegen die Frau. Ein Krieg, der sich leitmotivisch durch die
patriarchalisierten Jahrhunderte zieht. Die Märchen fühlen sich
dann an, als ob es sich dabei um eine großangelegte Kampagne, um
eine gezielte Gehirnwäsche handelt und gerade bei den überlieferten
und modern bearbeiten Märchen kommt es mir oft genauso vor.
Die Denkungsart in der Zeit, da
Märchen-Volksgut gesammelt und aufgeschrieben wurde und zudem die
vielen romantisierten Kunstmärchen entstanden, die auch überlieferte
Fragmente enthielten und in denen der damals bestehende Mainstream zum
Tragen kam, war durch die Doppelmoral christlicher Werte und
patriarchalen Traditionen geprägt. Zu Beginn der Aufklärung gab es
noch Prozesse und Todesurteile gegen Hexen. Und als die Gebrüder
Grimm ihre Kinder- und Hausmärchen herausbrachten, hatte das
Gesellschaftsbewusstsein die angebliche Schändlichkeit der Hexen bei
weitem nicht vergessen. Noch etwa bis Mitte des 20. Jahrhundert kamen
Anschuldigungen wegen Hexerei vor Gericht. Weltweit gesehen hat die
Hexenverfolgung nie aufgehört und fordert immer noch Opfer ohne
Ende.
Das Märchen als solche war schon immer viel mehr als nur eine
nette Gute-Nacht-Geschichte. Und deshalb können wir doch nicht allen Ernstes,
die real existierenden Exzesse einer patriarchalen Gesellschaft, in
die Märchen der letzten Jahrhunderte verpackt, heute unseren Kindern
als therapeutische Maßnahme unterjubeln wollen, damit sie sich vom
Tun ihrer Mütter distanzieren können.
Ein Hinweis darauf, wie sich das
Menschenbild inzwischen gewandelt hat, wäre als Anmerkung zumindest
angebracht. Mir ist die scheinbar allgemein akzeptierte Feststellung,
dass Kinder (welchen Alters?) die Grausamkeit der Märchen, in der
das „Gute“ siegt und das „Böse“ bestraft wird, brauchen, zu
simpel und zu rückständig. Ich glaube auch nicht wirklich, dass
diese Art der Infiltration der kindlichen Psyche und des Geistes,
humanes Fühlen fördert und glückliche Menschen hervorbringt.
Solche Märchen brauchen Kinder vielleicht gar nicht! Denn das
klassische Märchen, wie es heute als Kinderliteratur vorliegt, war
einst Lehrbeispiel und Unterhaltung für Erwachsene. Weder die Seele,
noch der Geist, noch die Körper unserer Kinder brauchen
Grausamkeiten als Beispiele oder als Erfahrung.
22 März 2013
verdrängt aber nicht verloren...
Unsere
Mütter, unsere Väter – der dritte Teil dieses bemerkenswerten
Dreiteilers ist am Mittwoch gelaufen. Flankiert von etlichen Dokus,
Interviews und Talkshows und Medienberichten, wurde das aufwendige
Werk in der letzten Tagen ausgestrahlt. Ich muss gestehen, dass es
mir noch nicht gelungen ist die drei Filme durchgängig anzusehen*.
Scheinbar kam bei mir zuviel an „epigenetischer“ Erinnerung hoch.
Wir alle leben mit Erinnerungen, die nicht immer direkt die unseren
sind.
Ich wurde 1947 von einer Mutter geboren, die für den Rest ihres Lebens froh war, dass ihre damals sechs vorhandenen Kinder den Krieg und die einjährige Flucht äußerlich unbeschadet überstanden hatten. Selbst in der DDR, wo man stets bemüht war gewisse Aspekte der Nazizeit aufzuarbeiten, wurden zwar die Gräuel des Krieg als solches verdammt, aber auch irgendwie als eine historische Notwendigkeit gehandelt. Ich bin, mit Trümmern vor Augen, in die friedliche Nachkriegszeit hineingewachsen, mit dem persönlichen, durch Verluste geprägten Schicksal meiner Eltern und Geschwister im Schlepptau. Meine Schwester zum Beispiel verlor ihre Heimat, ihr Zuhause und darüber hinaus ihre Kindheit und ein Teil Jugend. Sie hat kein Schlachtfeld erlebt, aber über diese verlorenen Zeit spricht sie auch heute noch nicht gern. Jede Form von Verlust hinterlässt Spuren und der totale Ausnahmezustand, in den ein Kriegsgeschehen die betroffenen Gebiete versetzt, hinterlässt ebenfalls weitreichende Auswirkungen – auch wenn immer noch viele von vergossenem Blut und Tod verschont sind – übriggeblieben ist eine traumatisierte Generation. Auch ich konnte damals als junges, geschichtsinteressiertes Mädchen aus meiner Mutter nicht herausbekommen, was genau sie erlebt hat und wie es sich mit bestimmten Erinnerungen weiterleben lässt.
Ich wurde 1947 von einer Mutter geboren, die für den Rest ihres Lebens froh war, dass ihre damals sechs vorhandenen Kinder den Krieg und die einjährige Flucht äußerlich unbeschadet überstanden hatten. Selbst in der DDR, wo man stets bemüht war gewisse Aspekte der Nazizeit aufzuarbeiten, wurden zwar die Gräuel des Krieg als solches verdammt, aber auch irgendwie als eine historische Notwendigkeit gehandelt. Ich bin, mit Trümmern vor Augen, in die friedliche Nachkriegszeit hineingewachsen, mit dem persönlichen, durch Verluste geprägten Schicksal meiner Eltern und Geschwister im Schlepptau. Meine Schwester zum Beispiel verlor ihre Heimat, ihr Zuhause und darüber hinaus ihre Kindheit und ein Teil Jugend. Sie hat kein Schlachtfeld erlebt, aber über diese verlorenen Zeit spricht sie auch heute noch nicht gern. Jede Form von Verlust hinterlässt Spuren und der totale Ausnahmezustand, in den ein Kriegsgeschehen die betroffenen Gebiete versetzt, hinterlässt ebenfalls weitreichende Auswirkungen – auch wenn immer noch viele von vergossenem Blut und Tod verschont sind – übriggeblieben ist eine traumatisierte Generation. Auch ich konnte damals als junges, geschichtsinteressiertes Mädchen aus meiner Mutter nicht herausbekommen, was genau sie erlebt hat und wie es sich mit bestimmten Erinnerungen weiterleben lässt.
Der Titel des Filmes spielt jedenfalls darauf an, dass die jungen Leute, die den Krieg erlebten, dann „unsere Mütter und Väter“ waren. Aber was hat es denn nun mit den Müttern dieser Zeit auf sich? Höflich wie man heutzutage ist, wird selbstverständlich die Frau, die Mutter, in dieser Titulierung des Filmdreiteilers, zuerst genannt. Allerdings wirkte diese Nennung der Mütter auf mich hier sehr befremdlich. Als hätten die (im Film nicht gezeigten) Mütter der Kriegstage besondere Anteile an den grausamen Ereignissen. Sie werden rhetorisch auf diese Weise in eine Verantwortung eingebunden, die das eigentlichen Geschehen so nicht hergibt.
Nichts desto trotz hat das ZDF ein Stück Zeitgeschichte verfilmt und dabei ein recht real wirkendes Dokument geschaffen, dass sich nicht nur anzusehen lohnt, sondern auch sehr nachhaltig wirken kann. Thematisiert wird die traumatische Epoche, die mit dem ersten Weltkrieg begann und deren letzte Ausläufer in unserer Zeit immer noch immer nicht verebbt sind. Der gezeigte Schwerpunkt sind fünf Jahre in denen der Zweite Weltkrieg in Mittel- und Osteuropa tobte. Fünf Schicksale werden dabei verfolgt – zwei junge Frauen, drei junge Männer – drei von den Fünf überleben.
Von (dargestellten) Müttern konnte in den drei Teilen kaum die Rede sein, wenn wir mal von der still verzweifelten Mutter der Brüder Wilhelm und Friedhelm absehen. Aber der Titel des Epos ist auch etwas um die Ecke gedacht und meint damit die Vertreter der Generation, die den Krieg intensiv er- und überlebten. Die Frauen und Männer, die nach den Jahren des Grauens Eltern waren oder wurden und danach nicht im Stande waren mit ihren Kindern die Erlebnisse und die Beteiligung an dieser unerträglichen Sinnlosigkeit zu teilen.
Es gibt bald niemanden mehr, der noch dabei gewesen ist... ein Grund mehr diese Stimmen noch zu Wort kommen zu lassen. Die Menschheit hat immer auf die überlieferten Erlebnisse und Erfahrungen der Alten aufgebaut. Und gerade bei dieser kollektiven Horrorerfahrung wurde eher jahrzehntelang auf Schweigen, Vermeiden und Verdrängen gesetzt. Wenn jene die am eigenen Leib diese Erfahrungen machten, nicht mehr sind, fehlt uns das lebendige „Anschauungsmaterial“. Diejenigen, die das Schweigen brachen, wurden auch nicht von allen gehört und schlimmstenfalls gipfelt die Meinung in boshaften Sprüchen, wie „...selber schuld, warum habt ihr mitgemacht!“. Das diese Haltung noch besteht, konnte ich auch jetzt noch bei diversen Pro und Kontra – Kommentaren zu dem Film lesen.
Viele der noch jungen Kommentatoren im Netz haben nicht einmal ansatzweise verstanden, dass hier auch ein Versuch unternommen worden ist ein Schlaglicht auf die Mechanismen der (dauerhaften) Prägungen zu werfen. Wie weit hinein in die nächsten Generationen reichen wohl die Erfahrungen unserer Mütter oder Großmütter, die sie mit Brutalität und einem pervertierten Alltag, mit Denk- und Handlungsverboten machten? Das eigene einfache, alltägliche Agieren wurde vielleicht im Nachhinein als Schuld erkannt. Diffuse Ängste von damals sind immer noch nicht in Worte zu fassen, weil es diese Worte immer noch nicht gibt. Wie soll eine Mutter ihren Kindern unaussprechliche Fakten erklären, wenn es für sie selbst immer noch zu schmerzlich, zu bedrohlich ist und sie allein dafür keine Worte findet? Außerdem ist es auch heute noch gesellschaftlich verpönt bestimmte Dinge beim Namen zu nennen und so es wurde das Verdrängte noch einmal verdrängt. Die geschädigten Kriegs- und Nazi – Opfer – Täter wollten nicht nur nicht hinsehen, sie durften es aus einer kollektiven „Büßerverordnung“ heraus auch nicht. Und dabei wäre bitter nötig gewesen. Nicht um wen frei zu sprechen oder wegen der Moral oder den mehr oder weniger gerechtfertigten Schuldzuweisungen, sondern um eben den künftigen Generationen gewisse Störungen zu erklären oder es ihnen ersparen. Das „ererbte“ Gefühl in den rechten Kontext zu setzen und endlich einen Sinn für epigenetisch motiviertes Fühlen und Agieren zu bekommen, sollte langsam eine bewusste Aufgabe von Müttern werden. Es ist wohl so ein Menschending oder nur ein biologischer Grundzug - alles was wir tun hat Auswirkungen über viele Generationen. Ob wir friedlich leben oder nach wie vor Demagogie, Kriegen oder Hexenjagden ausgesetzt sind, ob wir unseren Kindern Geborgenheit anbieten oder ihnen die Nähe verweigern – es fällt auf uns zurück - persönlich und kollektiv. „Unsere Mütter, unsere Väter“ von einst können ihr Verhalten nachträglich nicht mehr ändern, die gerade amtierende Generation, zu der auch wir Älteren gehören, schon...
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07 Januar 2013
...der Großmutter auf der Spur
Wie wir wissen, folgen die Programme der Suchmaschinen und Verkaufsseiten permanent unseren Spuren im Netz und reagieren auf die Häufigkeit, mit der frau (und ihr PC o.ä.) zu bestimmten Begriffen im WWW unterwegs ist. Als ich vor ein paar Jahren anfing Texte zum Thema Großmutter zu verfassen, schien es mir, als gäbe es keine Großmütter - die Ergebnisse meiner Recherchen konnte ich nur als kläglich bezeichnen.
Inzwischen hat sich das geändert. Gebe ich jetzt den Begriff "Großmutter" ein, werde ich zugeschüttet mit Hinweisen auf Wikipedia, Spracherklärungen, Rezepten, Haushalts- und Gesundheitstipps, Sprüchen und Gedichten über Großmütter. Aber mich interessiert weniger Großmutters Apfelkuchenrezept oder Sockenstrickmuster, sondern die Wahrnehmung ihres Status und ihrer Wertigkeit in der Gesellschaft. Als nostalgischer Begriff ist die Großmutter inzwischen gut vertreten, als tatkräftige, weiterführende Mutter eher eine Utopie. Und zwar im Sinne von als „den Ort, den es nicht gibt" sowie als Hirngespinst, wie Utopie auch in Kreuzworträtseln bezeichnet wird .
Die Großmutter, als Mutter der (jungen) Mutter, bewegt sich immer noch in dem Spannungsfeld, der als unmöglichen Person wahrgenommenen und latent an sie gestellten Forderung nach Unterstützung, aber ohne Einflussnahme auf das junge Mutterglück. Die Funkstille, die immer wieder aus dieser schwierigen Konstellation entsteht, kann sich schnell verhärten und wird höchst selten von den zunehmend überforderten jüngeren Müttern überwunden.
Die Großmutter ist also nicht gerade in aller Munde. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, den Begriff „Großmutter“ wo ich nur kann zu nennen und anzuwenden. Aber nicht um auf mich persönlich aufmerksam zu machen oder mich in den Vordergrund zu spielen, sondern um dieses Wort wieder in Umlauf zu bringen und zwar ohne Oma – Kitsch.
Jede Frau jüngeren Alters, die selbst noch keine Großmutter ist, sollte einmal überprüfen, was sie mit dem Wort Großmutter alles so assoziiert und dabei auf ihre Gefühle achten.
Wie und warum, denke ich an die eigene Großmutter und ist mir wirklich nachhaltig klar, dass meine Mutter die Großmutter meiner Kinder ist?
Oder, dass ich selbst eines Tages Großmutter bin und wie das auf mein Kind wirken wird?
Und wenn ich keine Kinder habe, ob meine Mutter vielleicht darunter leidet?
Das hat nichts mit schlechtem Gewissen machen zu tun, denn schließlich muss sich eine jede mit bestimmten Schicksalskonstellationen abfinden - aber... es macht trotzdem etwas mit uns.
Die Bezeichnung als Groß-Mutter, als der „größeren“ Mutter der Mutter, hat in matriarchischen Zusammenhang nichts mit dem patriarchalen Größebegriff von Herrschaft und Determinierung zu tun. Hier, im Mutterland, bezeichnet „Groß“ die Dimension der gewachsenen und entfalteten Lebenspraxis, den Erfahrungsvorlauf mit der daraus resultierende Einsicht und Weitsicht in die naturbezogene Lebenswirklichkeit.
Während das Wort „Alt“ im Allgemeinen in unserer Umgangssprache eine Entwicklung hin zum Negativen und zur Abwertung gemacht hat (wenn etwas wertvoll erscheinen soll, wird der Begriff „Antik“ angewendet), blieb das Wort „Groß“ eher unangetastet, da es mit vielen männlich markierten Begriffen verknüpft ist. Gerade in der Geschichte werden Herrscher, Helden oder Entdecker mit Vorliebe als „groß“ bezeichnet und „Mann" wird dabei mit gedacht.
Die GroßeMutter, die Ahnmutter, verschwand mehr und mehr aus der Bedeutungsebene des Alltags und der Gesellschaftssicht. Und es wurde quasi immer unwichtiger von welcher Mutter wir geboren wurden - was zählte war die väterliche Abstammung. Damit gingen die rigiden Strömungen einher das Kinder gebärende Weib als beliebig und somit als austauschbar, anzusehen. Der Nachhall dieser Einstellung ist immer noch sehr deutlich spürbar. Auch heute wird und anscheinend mehr denn je, die Mutter als beliebige Dienstleisterin am Kind wahrgenommen. Und nur weil der Mann derzeit nicht mehr so sehr auf die, mit Verantwortung verbundene, „Abstammung“ fixiert ist, wird einer Mutter in den Grauzonen der Gesetzeslage noch relativ viel Handlungsfreiheit in Bezug auf ihr Kind gestattet. Die deutsche Gesetzgebung ist jedoch seit geraumer Zeit damit zugange dem heutigen (biologischen) Vater möglichst umfassende Rechte am Kind einzuräumen, um ihn wieder in die konventionelle Verantwortungsrolle zu locken, die seinem Großvater noch eine Art Bedürfnis war.
Da in den gesetzlich geregelten Bereichen mit dem Erreichen der Volljährigkeit und dem Abschluss der Ausbildungsunterstützung die Bindung zu Mutter und Vater sowie zur konsanguinen Verwandtschaft quasi erlischt, scheint auch die Großmutterbindung mehr denn je zu einer privaten Kann - Bestimmung zu verkommen. Bis vor kurzem konnte auch von den Großeltern kaum der Kontakt zu den Enkelkindern „durchgesetzt“ werden. Großmutter (und Großvater) sein, ist heute immer noch eine Art dekorativer Akt unter dem Generalverdacht der verwöhnenden und daher schädlichen Einflussnahme auf den Nachwuchs des eigenen Kindes und dessen Lebenspartners. Für viele scheint meine kritische Betrachtung des Großmutterseins in unserer derzeitigen Sozialkultur überzogen oder nicht zutreffend. Aber ich gehe, wie wir ihr vielleicht schon wisst, von den Basisverhältnissen der Natürlichen Mütterlichen Ordnung aus und aus dieser Perspektive müsste die Instanz der Großmutter in unserer Gesellschaft einen ganz anderen Raum einnehmen.
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04 Januar 2013
...eine alte Geschichte
Die Alte - für viele eine mysteriöse Figur in unserer Zeit - nicht mehr wirklich in und dann auch noch eher fragwürdig als ehrwürdig...
Wenn die Alte gelassen durch die Zeiten schreitet, berührt der Saum ihres Kleides Geschichte, die sie jedoch höchst selten schrieb. Liegt es daran, dass Geschichte schon lange nicht mehr erzählt wird, sondern aufgeschrieben und „Geschichte schreiben“ eine Metapher für „Geschichte machen“ ist? Die geschriebene Geschichte ist die Geschichte des Mannes. Wir wissen von den alten Hochkulturen mit ihren ersten mächtigen Bauwerken, erfahren von den, in glänzenden Rüstungen marschierenden Heeren, bestaunen den Prunk der Fürsten in ihren Palästen und Kathedralen - uns ist als wären wir dabei gewesen. Die Macht der modernen Bilder zeigt uns selbst Welten, die so wahrscheinlich gar nicht existierten.
Das ganz triviale, das alltägliche Leben der Menschen besonders das der Frauen, ihr Fühlen, Handeln und Denken, war und ist für all die Geschichtsschreiber oft nur mäßig spannend. Glorreiche Feldzüge und raffinierte Politik hinter dicken Mauern, Heldentaten und große Erfindungen - das ist würdig festgehalten zu werden. Das lange friedvolle Leben in den quasi „vaterlosen“ Gesellschaften ist der Erwähnung kaum wert.
Als der einst ebenbürtige Bruder der Frauen zum Vater und Herrscher aufstieg, ist er auch zum blutigen Gestalter der Geschichte geworden. So erfahren wir von der Existenz manch einer bis dahin als unbedeutend angesehenen Gemeinschaft erst, wenn sie nach Kämpfen und Schlachten von ihren Gegnern ausradiert wurde. In der Geschichte, die von den Siegern geschrieben wird begegnen wir der Alten nicht!
Wer ist sie die Alte? Was tat sie?
Saß sie mit ihren Töchtern und Kindeskindern am Feuer, während die Scharmützel durch die Jahrhunderte tobten? Wie ertrug sie es, die sich wiederholenden Verwüstungen mit anzusehen? Wie oft überlebte sie, um ihr bewahrtes Wissen in die Zukunft zu tragen und wie oft hat ein Schwert die Alte durchbohrt und damit immer wieder der Natürlichen Ordnung der Mütter einen Todesstoß versetzt? Und als gar der Vernichtungskrieg direkt gegen die Alte (und hier ist sie auch als Synonym für die Frau gemeint) geführt wurde und die Scheiterhaufen brannten, hat sich wohl die Vorstellung von der gehrte Ahnin und vieles von uraltem Weiberwissen ebenso in Rauch aufgelöst.
Das geschriebene Wort etablierte sich endgültig als Garant für Wissensweitergabe. Und die unnütze Alte mutierte in der modernen Zeit ein für alle Mal von der einst achtbaren Mutter über die Konkurrentin des Vaters hin zur Lachnummer der neuen Wissenswelt. Ab jetzt wurde ihre Spur in der Geschichte mit üblen Taten, Hexerei, Antiquiertheit und unnützem Gewäsch in Verbindung gebracht – wohl der Frau und ihren Kindern, die nichts mit dem Aberglaube der alten Mütter zu tun haben wollten. Die Weise Alte, die kenntnisreiche und lebenskluge Mutter, gab es in unserem Kulturkreis nicht mehr!
Alles was wir heute nachlesen können, braucht uns kein altes Weib mehr zu sagen - so wurde die Alte unbemerkt aus der Geschichte verdrängt. Ihre Söhne verwalten jetzt das gesammelte Wissen - effizient und umfassend. Die wissende und die handelnde Alte verschwand nach und nach aus unser aller Alltag – zwar gab es (und gibt es mehr denn je) die älter werdende Frau - die stolze, die geachtete und geehrte Alte ist selten darunter. Was also wurde und wird mit den alt gewordenen Frauen oder den ausrangierten Großmüttern, die nicht gestorben sind und einfach weiterlebten? Wozu zum Geier gab es sie überhaupt, wenn doch das alte Weib in der Geschichte angeblich keine Spur hinterließ?
Doch das stimmt so nicht, wie wir inzwischen wissen - als Große Mutter, als Ahnin, ist die Alte sehr wohl bekannt und somit eine Institution. Nicht als einzelne Person und mit Namen überliefert, begegnen wir der Alten in der Geschichte – sondern als Allegorie, als Gottheit, als das ewige Weibliche.
Als ihre Töchter einst die Menschengeschichte durch ihr gemeinschaftliches Sein prägten und Spuren in Stein hinterließen wurde im heutigen Sinne noch nicht „geschrieben“. Es wurde gesagt, erzählt, gekündet; gesehen und gehört; vorgelebt, Beispiel gegeben; vererbt und angenommen - unsere kollektiven Erinnerungen waren die authentische Geschichte. Kommunikation ist weiblich und damit ist nicht nur der verbale Ausdruck gemeint - Mütter und Töchter und Schwestern erschufen Sprache und Verständigung. Zugewandtes Reden und Hören findet mit dem ganzen Körper statt. Wir leben in einem Energiefeld des Verständinisses und der Zugewandtheit, wenn wir die weibliche Art der urtümlichen Sprache der Gemeinschaft anwenden.
Die Geschichten, die sich die Menschen, die kommunikationsfreudigen Frauen, erzählten, sind unsere Geschichte. Wir lauschten einst den Mären und Sagen, den Späßen und Liedern und lernten dabei uns selbst zu entfalten und uns in die Gemeinschaft einzubinden. Der Kern all der Märchen ist vor allem die Betrachtung und Beachtung von sozialen Wechselbeziehung, von vorausschauenden, lebenskluge und mutige Verhaltensweisen.
Die Alte erzählt nicht nur oder schreibt, sie ist die Geschichte...
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