11 April 2015

...das wollte ich schon immer mal loswerden...

... es ist der Wahnsinn, dass all die Männer, welche sich des überdeutlich vorhandenen und angewendeten Bedrohungspotential der patriarchösen Gewaltspirale zwar bewusst sind und sogar inzwischen versuchen sich dem entgegen zustellen, dabei doch deren Ursachen außer Acht lassen. Es ist eine Art Insider-Spiel unter Männern. Dabei wird die maskulin performte gesellschaftliche Zwangslage die unsere Welt beherrscht als natürlich entstandenes Menschenproblem geschildert und dabei völlig bedenkenlos und schmerzfrei  die weibliche Hälfte der Menschenexistenz ausgeblendet (zeitlich und räumlich) und zwar sowohl als biologische Komponente des Menschsein wie auch in ihrem kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und individuellen Status.
Religiöse Konfessionen als politische Konzepte (und hier ist auch die Missionierung zu finden) sind Teil des patriarchalen Gesellschaftssystems und das ist gleichzusetzen mit dem hierarchischen gewaltbasierten Herrschaftskonzept. Die gewaltsame Machtnahme von Männergruppierungen, die ihr Selbst kultivier(t)en und verteidig(t)en ist der Ausgangspunkt und Auslöser der Flächendeckenden Gewalt, die ab sofort die kulturelle Entwicklung der Menschengemeinschaften bestimmte. Sich Privilegien aneignen und gleichzeitig prinzipiell die Frau, aber auch den unterlegenen Mann zu unterwerfen sowie in einem Sklaven- oder Geiselstatus zu halten, gehört zur Vorgehensweise der patriarchalen Machtausübung.
Die benötigten Verbündeten und die an den Privilegien teilhabenden (Waffen)Brüdern (was gelegentlich auch auf eine Schwester oder Gefährtin ausgeweitet wurde), werden durch entsprechend kreierte Ideologien untermauert. Hier kommt die ebenfalls hierarchische strukturierte Götterwelt oder gar der monotheistische Gott als Sinn- und Taktgeber der Vatergesellschaft zum Tragen. Mit der Erfindung der (Vater)Götter wird das bisherige allegorische Mutterbild der gebenden Natur abgelöst. Die prinzipiell Leben gebende und erhaltende Mutter weicht dem zerstörerischen Vatergott. Der angeblich schöpferische Akt der Vatergötter (wie auch in der Genesis niedergelegt) ist nur eine Okkupation des bereits durch Jahrtausende bestehende Mutterprinzips. Die ideelle Assimilation dieses Prinzips und die Übertragung der natürlichen matrilinearen Seinsart auf eine ideologisch gestützte und mit Gewaltstrukturen durchgesetzte Patrilinearität, sprengte nach und nach die ursprüngliche und generativ angelegte Fürsorgegemeinschaft – die Muttersippe. 



02 April 2015

Amoklauf - eine anerkannte Abart des Heldentums...

... was in der Vergangenheit den legendären Berserker ausmachte, ist der rauschhafte Wahn, in den er sich hineinversetzt um, ohne auf seinen Eigenschutz zu achten, in eine Art Raserei zu verfallen und um so massenhaft (anonyme) Gegner niederzumähen. Solch eine Verhaltensweise ist auch heute noch eine anerkannte Form der Menschenschlächterei, wenn auch weniger direkt, aber dafür um so mehr virtuell.
Männliche Kampftechniken, die über patriarchale Zeiten hinweg entwickelt wurden, um Feinde zu vernichten, erforderten einst vor allem den persönlichen Einsatz des Kämpfenden. Welcher Feind auch immer, er ist vor allem erst einmal eine grundsätzliche Bedrohung des maskulinen Selbsterhaltes. Eine Strategie, die sich zum (männlichen) Muster verfestigt hat, scheint es zu sein, einem schädlichen Angriff zuvorzukommen, nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Das kann in gefühlt aussichtsloser Lage dazu führen, dass sich der Mann willentlich in den Tod stürzt und dabei so viele Gegner wie möglich mitnimmt. Auch das ist immer noch eine durchaus anerkannte Form doch das Treppchen zum Heldenruhm zu erklimmen. Jeder Selbstmordattentäter oder Amokläufer sitzt dieser Fehleinschätzung auf. Denn in der Regel sind seine abstrakt kreierten (oder von anderen gesteuerten) Ziele ideologische Konstrukte, die sich mit einem Helden, als humanes Vorbild, kaum vereinbaren lassen.
Der oft vorgeschobene Schutz des Lebens trifft, weder bei Kriegshandlungen noch bei Revolutionen, auf die anwesenden Opfer zu, sondern ist eher einem in die Zukunft verlagerten Ideal gewidmet. Das eigene Leben zu opfern und auch einen erklecklichen Anteil des Feindes mitzureißen, wird in entsprechendem Umfeld als selbstlose Tat gepriesen und dient dort der Rechtfertigung diverser Gewalthandlungen.
Kommt allerdings eine aus Kränkung entstandene egomanische Verschiebung hinzu, dann kann der Mann auch auf eigne Rechnung der Welt den Krieg erklären. Groll, Hass, Rachegelüste und Ablehnungsschmerz provozieren dann einen ähnlichen Tatverlauf und die mit in den Tod gestürzten Opfer sind meist eher zufällig und somit kein direkter Feind.

Und so gibt es imho zwei Merkmale der männlichen zerstörerischen Aggression. Zum einen den direkten und kollektiven Kampf der Männer untereinander (z.B. als kriegerische Auseinandersetzung - die gesellschaftlich forcierte Form des ausgearteten Wettbewerbs), bei dem es, überhöht betrachtet, immer um Leben oder Tod geht und bei dem durch die Jahrtausende hindurch die geschädigte Frau und die angerichtete Zerstörung als Kollateralschaden in Kauf genommen wird.
Und zum anderen haben wir den persönlichen Kampf eines Mannes gegen die anonyme Gesellschaft, die es in seiner Kindheit vielleicht verabsäumte ihn psychisch angemessen zu integrieren und ihm so die Frustration einer sich wiederholenden Ablehnung zumutete. Auch dabei wird das weibliche Opfer der Gewalttat nur als gerechte Vergeltung der erlittenen Kränkung gesehen, also als Synonym für die vorenthaltene soziale Anerkennung.
Wo allerdings krankhaftes Verhalten eines Einzelnen der Auslöser diverser Katastrophen ist, ergibt sich auch immer aus dem Einzelfall. Das Fundament all dieser Probleme bleibt jedoch nach wie vor die patriarchale Grundierung unserer Gesellschaftskultur.
Männer wollen andere Männer beeindrucken - auch Frauen, aber vor allem die anderen Männer. Der heranwachsende jugendliche Mann möchte als solcher, aber auch als Persönlichkeit, wahrgenommen werden. Leider sind in unserer Leitkultur die Vorbilder für ihn nach wie vor gewaltverbrämt. Die direkte (körperlich angewendete) Gewalt ist zwar aus der Praxis der Erziehung und dem allgemeinen, alltäglichen Kontakt miteinander, zugunsten eines wahrnehmenden und koexistierenden Umgang gewichen, aber dafür ist sie in einem nicht unerheblichen Maße als dauernde virtuelle Parallelwelt vorhanden. In ihr darf das männliche Kind und der erwachsene Mann alles ausleben, von dem er naturgemäßerweise ursprünglich nichts wusste, vor allem nicht, dass die anonyme Gesellschaft einen Hang zur Gewalt per se von ihm erwartet.
Das systematische Abschalten der gefühlvollen Eigenwahrnehmung und der natürlichen Empathie durch ein kulturell forciertes Konkurrenzgebahren und eine Art sich ständig steigerndem Grausamkeitstraining, können wir schon im Programm eines jeden Kinderkanals beobachten.
Das ebenfalls davor sitzende Mädchen lernt dabei auch was und zwar was sie schlimmstenfalls von der Männerwelt erwarten kann. Der Junge, was von ihm schlimmstenfalls erwartet wird zu tun. Die Botschaften sind jeweils altersgerecht verpackt und anfangs noch unterschwellig. 
Dem zukünftige Mann wird hier auf kindgerechte Art die Generalerlaubnis erteilt sich nach Lust und Laune oder Bedarf als potentieller Gewalttäter zu profilieren. In teilweise erschreckend exzessiver Weise werden in Fernsehen, Filmen, Computerspielen und Literatur Gefühlskälte, Rücksichtlosigkeit und Gewaltbereitschaft vorgeben. Sowohl als Grundhaltung des Helden als auch bei seinen Gegnern.
Wenn der junge Co-Pilot tatsächlich sich und 149 Menschen in der Tod gerissen hat, dann kann imho diese Tat auch als ein Amoklauf eingeordnet werden. Unvorstellbar grausam, aber eben auch nicht unerklärlich.
Vielleicht sollten alle kleinen Jungen mit dem Kodex sozialisiert werden: Tu was du willst, aber schade niemand...

13 März 2015

Alltag ...

übersetzt mir der Googleübersetzer (ja ich kann immer noch kein englisch) mit 'everyday life' ... endlich mal ein deutsches Wort, das gegenüber dem englischen kurz und knackig ist... find ich cool...

06 Februar 2015

...gibt es ein gleich?

.. sehr gern lese ich die fundierten Artikel von Hannelore Vonier, die sie auf ihrer Seite "Rette sich wer kann" publiziert. Zu ihrem letzten Beitrag stellte ich einen Kommentar ein, den ich hier wiederholen möchte. Es geht um den Dauerbrenner: Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und der manchmal auch unnötigen Gleichmacherei. Sehr lesenswert, besonders wenn es um die Töchter geht. Trotzdem dachte ich, dass wir über einige Vorstellungen doch schon hinaus sein müssten ...

…. auch ich denke, dass wir in vieler Hinsicht über die (feministischen) Klagen, dass Mädchen und Jungen “ungleich” behandelt werden, längst hinaus sind. Denn mehr denn je hat sich die Geschlechtergleichmacherei als Trugschluss und erneute Falle erwiesen. Maiden und Buben kann man weder gleich noch ungleich machen… sie sind sowieso verschieden. 

Jedes Individuum ist ein Unikat und weist mit anderen Mitgliedern seiner Spezies eine unterschiedlich große Schnittmenge an Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten auf. Wir haben als Kind entweder das gleiche Geschlecht wie die Mutter oder der Vater und darüber hinaus sind manchmal manche Menschen eine nicht eindeutig zu bestimmende Spielart der Natur. Wir erben die Hautfarbe und vielleicht eine robuste oder zarte Konstitution. Wir haben mit etwas Glück das Lächeln und das Backtalent der Großmutter oder die Augenfarbe und die praktische Art der Mutter geerbt oder die Musikalität des Vaters und mancher Junge später das schüttere Haar des Großvaters (mütterlicherseits). Der Mensch ist (wie jedes andere Lebewesen) innerhalb seiner Art überaus ähnlich und ebenso verschieden und darüber hinaus immer einzigartig.

Und wenn wir als Mädchen auf die Welt kommen, haben wir ein Recht darauf als ein solches gesehen und entsprechend in die Welt begleitet zu werden. Damit wir immer sein können, was wir sind und eines Tages, gestützt auf unsere Fähigkeiten und Begabungen, unser erwachsenes Leben gestalten. Das Gleiche gilt für Jungs und alle anderen, die ihr Geschlecht anders empfinden.

Es ist eine Unsitte unserer Zeit das Geschlecht der Kinder ignorieren zu wollen. Auch schon vor fünfzig Jahren war es en vogue den Kindern gleichermaßen Puppen und Autos zum Spielen anzubieten, damit eben diese krasse Rollentrennung zwischen Frauen und Männer endlich mal ein Ende nimmt. Nach Simone de Beauvoir wussten alle, dass die Frau nicht geboren, sondern (dazu) gemacht wird. Ein Slogan der heute noch in den Köpfen spukt und zu vielen neuen Missverständnissen führt(e). Denn nicht das naturgemäße Geschlecht ist das Problem (was manche bis heute glauben), sondern wir wissen schon längst, dass die männererdachte, aber trotzdem um so intensiver beschworenen „Minderwertigkeit der Frau“ ein gesellschaftliches Ideologiegebilde ist.

Das biologische Geschlecht ist eine Tatsache. Und ja es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Mal abgesehen von den äußeren und inneren Primärmerkmalen steuern die Hormone bei Frau und Mann sehr verschiedene körperliche Prozesse und dem ist schon beim Kind Rechnung zu tragen. Die Rollenbilder der Geschlechter in der Gesellschaft, auch Gender genannt, sind ein kulturelles Konstrukt und ebnen obendrein die Individualität ein.

So ist Muttersein eine naturgemäße, biologische Tatsache mit einer immanenten Bedeutung und kein weibliches Opfer an die männliche Herrschaft oder die Strafe eines monotheistischen Gottes oder ähnlicher Unfug. Eltern, ja und auch Mütter, die ihre Bübchen bevorzugt aufziehen, haben den Sinn des Lebens nicht verstanden. Und aus Töchter patriarchatskonforme Weibchen zu “machen” ist mindestens ein Vergehen gegen die Menschlichkeit. Daher hat mir in dem Artikel am besten die Frage gefallen: “Wie reagieren Töchter auf diesen ganzen Müll, der hier über sie hereinbricht?”

Und in meiner Alltagspraxis als Großmutter von 11 Enkeltöchter frage ich mich das täglich, aber stets auch alle anderen. Ich denke Eltern, respektive Mütter, sollten sich schon darüber im Klaren sein, dass es nicht egal ist, ob sie eine Tochter oder einen Sohn aufziehen und mit "gleich machen" kommen wir auf gar keinen Fall weiter. Es gilt die individuelle Persönlichkeit des Kindes anzunehmen und das beinhaltet natürlich auch die Beachtung seines Geschlechtes.

28 Januar 2015

Die Matrifokale Gegenwart im Patriarchat!


Claudia von Werlhof schreibt in ihrem Buch 'Westend': „...insofern ist für mich Patriarchat ein kaum vorstellbarer, unverständlicher, ja nahezu unaussprechlicher Anspruch, der von allen konkret vorhandenen Bedingungen irdischer Existenz absieht, das heißt abstrahiert...“.

Mit noch anderen Worten: das Patriarchat rennt bis heute einem Ideal hinterher, von dem es weder eine einheitliche, konkrete Vorstellung hat, wie die „verbesserte“ Welt einmal aussehen wird, noch wie sie funktionieren und sich selbst erhalten soll. Das Patriarchat ist ein andauerndes, rücksichtsloses Großexperiment innerhalb besagter 'irdischer (lebendiger) Existenz'.

Ich möchte auch gern mit der Vorstellung aufräumen, dass eine allmähliche Kulturrevolution des Patriarchats in einer 'primitiven matriarchalen Gesellschaft' stattgefunden hat und nur den nächsten „Entwicklungsschritt“ der Menschheit einläutete.

Tatsächlich müssten wir von einer langanhaltenden und mehr den je blutigen Annektion und Verwüstung der vorhandenen natur- und menschenfreundlichen Lebensbedingen sprechen und dem ziemlich raschen Außerkraftsetzen des 'immanenten Mutterkonzeptes der Evolution' innerhalb der egalitär strukturierten, matrifokalen Gemeinschaften. Ich möchte diese Lebensart der frühen Menschen auch nicht mit dem (politischen) Begriff 'Gesellschaft' und ebenso wenig mit der pauschalisierenden Bezeichnung 'Matriarchat' bezeichnen, sondern als das Kontinuum (nach Liedloff) der Matrifokalität. Die lange Zeit des Menschseins vor dem Beginn des patriarchalen Paradigma bestand daher imho aus verschiedenen aufeinanderfolgenden bzw. parallelen matribezogenen Kontinua, auch im Hinblick auf die verschiedenen Menschenarten.

Das Alles hat kaum was mit der verharmlosenden Vorstellung zu tun, die Entdeckung der Vaterschaft hätte den ("erforderlichen") Paradigmenwechsel eingeläutet. Denn bis heute gibt es matrifokal strukturierte Kulturen, in denen Männer sich (schon immer) der "Vaterschaft" bewusst sind, ohne die Welt, in der sie leben, zu zerstören oder versuchen die Herrschaft an sich zu reißen.

Wir können also davon aus gehen, dass sich an dem matrifokalen Lebenskonzept der Menschen, das den 'Selbsterhalt mittels Arterhalt und umgekehrt' fördert, bis heute nichts geändert hat, da sich die biologischen Grundlagen unseres Daseins seit der Steinzeit nicht wirklich verändert haben. Und nein, das ist kein biologistischer Ansatz, denn es geht hier nicht um kulturell hervorgebrachte Rollenbilder (Gender), sondern um den ursächlichen evolvierenden Entwicklungsstrang, der bis zum weiblichen Menschen (Lebewesen) und damit zur Mutter reicht.

Nun leben wir was unsere, in den "Genen" liegenden, Lebensrhythmen betrifft, zwar durchaus noch in der Steinzeit, nur das ganze Drumherum ist damit kaum noch kompatibel bzw. läuft unserer Natur zuwider. Wir dürfen daher alle unsere Sinne dafür öffnen, dass wir Töchter des real existierenden und immortalen Mutterseins bleiben werden, auch wenn die Vätergesellschaft immer noch versucht, die Wiege der Matrifokalität in den Keller zu räumen. Die dem Menschen artgerechte Matrifokalität bleibt nach wie vor unsere Lebensbasis auch unter den Bedinungen der Patriarchose ...

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20 Januar 2015

Die Dienstagsphilosophie

In einem von mir zufällig gefundenen Kommentar fragt Ina Praetorius: „... ist es weise, Charlie zu sein, wenn es mir um weibliche Freiheit geht?“
Also mir geht es hierbei nicht um Ina P., auch nicht um den aktuellen Hype um Charlie, ja noch nicht mal um die weibliche Freiheit, sondern um das Wort 'weise' in diesen Zusammenhängen.
Wie weise sind wir denn wirklich? Wir Frauen? Wir Mütter? Wir als einzelne Person in einer Gesellschaft, die Weisheit nur als rhetorische Floskel kennt?
Die Alltagsweisheit und auch die besondere Altersweisheit ist wohl zu allen Zeiten ein Teil menschlichen Miteinanders gewesen.
Weise und Wissen – die Begriffe korrelieren unmittelbar. Das menschliche Wissen ist inzwischen gigantisch und täglich kommt neues hinzu. Die Frage ist nur, wie hilfreich ist das angehäufte Wissen für die Menschen dieser Welt. Wir wissen inzwischen, dass der Mensch als Person in der Lage ist ein gewaltiges und oft auch unnützes Faktenwissen zu horten, denn wie viel er davon zum Überleben, Wohlfühlen und Glücklichsein braucht, darüber streiten sich die Geister. Und ob er schafft sie der nächsten Generation zu Gute kommen zu lassen?
Mit dem Wort 'weise' verbinde ich viele nachhaltig daherkommende Eigenschaften. Eine gewisse Ruhe. Die Weisheit pflegt die Beschaulichkeit und die Einsicht in die Notwendigkeit. Weisheit überstürzt nicht. Weise ist nicht hektisch und neigt nicht zu Übersprungshandlungen. Weise ist weitsichtig, vorausschauend, wägt ab und durchschaut das scheinbar Offensichtliche. Weise ist weise.
Natürlich hat das Drama um Charlie eine mitreißende Wirkung auch auf Frauen und das Bekenntnis der Solidarisierung mit den Opfern und der bedrohten Meinungsäußerungsfreiheit läuft tatsächlich nur unbedingt mit der kollektiven 'weiblichen Freiheit' konform...
und so denke ich auch: nein, weise ist das nicht, unreflektiert jedem Hype zu folgen, der uns dem Ansinnen die Frau wieder ihren Platz im Kontinuum des Menschseins einnehmen zu lassen, nicht wirklich näher bringt. Männer streiten und kämpfen untereinander sowohl mit Waffen als auch mit der Feder und alle humanen Belange enden als Kollateralschaden. Welche Art der weiblichen Weisheit sollte hier greifen?

06 Januar 2015

... glauben - was ich schon immer mal sagen wollte...

Immer wieder stelle ich fest, dass es einigen scheinbar nicht leicht fällt, das landläufige „etwas glauben“ und das glauben an einen „Glauben“ zu unterscheiden.

Bis heute gibt es einen flächendeckenden Religionsunterricht in der Schule, welcher zum Teil sogar von den Kindern konfessionsloser Eltern wahrgenommen wird (werden muss). Und selbst wenn es ein neutrales Fach (Werte und Normen oder so) gibt, findet da im Sinne der Toleranz eine mittelbare Unterweisung pro Religion statt. Das heißt auch, die gesamte erwachsene deutsche Bevölkerung die in der BRD zur Schule ging, ist nachhaltig mit Glaubensinhalten (aller Art, aber vorwiegend christlichen) konditioniert und kontaminiert worden. Auch wenn frau im Erwachsenenalter beispielsweise die Kirche verlässt, erlebte ich es oft, dass sich flux einem anderen Heilversprechen zugewendet wird. So werden oft nur die Inhalte ausgetauscht, aber das „Glauben an etwas“ wird dabei nicht aufgegeben.

Der Glaubensinhalt einer Religion liegt in der Regel in einer Art Paralleluniversum neben unserer 'natürlichen' Welt und vermischt sich ständig mit unserem naturgemäßen Dasein. Allem was wir an ganz konkreten, leiblichen und sinnlichen Erfahrungen in unserem Alltag machen, kann durch theologische Vorgaben widersprochen werden. So kann eine eigentlich schmerzvolle Erfahrung in ein übergeordnetes und daher euphorisierendes Erlebnis umgewandelt werden, das aus einer wachen Wahrnehmung in eine entrückte, manipulierte Gefühlswelt führt. Ein Kind, dass schon früh lernt einem unsichtbaren Gott, der wiederum alles sieht, gegenüber eine Demutshaltung einzunehmen, ist derart mit einer eingebildeten Gefahr beschäftigt, dass die natürliche Wachheit der sinnlichen Wahrnehmung manchmal für immer eingeschläfert wird (das Kind fürchtet dann den strafenden Gott mehr als einen übergriffigen Erziehungsberechtigten).

Der strafende Gott ist heute zwar mehr denn je dem liebenden Gott gewichen, aber der Unterschied ist gar nicht groß wie manche meinen, denn der Gläubige soll diesem Gott nach wie vor mit Haut und Haar gehören. Die Bereitschaft in unserer Gesellschaft einem 'Glauben' anzuhängen (und wenn wir es hier nur mit Spielarten des aktuelle Mainstream zu tun haben) ist, so finde ich, grundsätzlich erschreckend hoch - mit anderen Worten - gut verinnerlicht. Wobei ich das Zuwenden zu den 'atheistischen Religionen' auch in dieser Tradition sehe.

Gott oder göttliche Wesenheiten sind vor allem eine, der menschlichen Vorstellungskraft entsprungene Idee und der Glaube innerhalb der verschiedenen Theologien ist nur eine Ideologie. Die Vertreter der Ideologien verlangen von ihren Anhängern, nicht nur das Glauben an ihre kreierte Idee im Rahmen der vorgegebenen Parameter, sondern erwarten auch von den Gläubigen, dass sie die Idee nicht hinterfragen und ihr Leben nach dieser ausrichten, um neue Gläubige und Anhänger zu produzieren. Die inzwischen recht säkulare Kultur des sogenannten westlichen Abendland ist immer noch durchtränkt von christlichen Metaphern und unterschwelligen Glaubenssätze. Es ist so was wie ein Tabu, 'nichts zu glauben'. Eine Art höhere Instanz als tatsächliche bzw. personelle göttliche Existenz vorauszusetzen hat den Status einer anerkannten kollektiven Kulturleistung.

Allerdings glaube ich auch - so zum Beispiel, dass die Erde rund ist und mit dem Mond die Sonne umkreist. Oder dass der patriarchale Mensch in seinem Technologiewahn die Erde ruiniert - doch hier ist es weniger ein glauben, sonder eher logisches Schlussfolgern. Es gibt trotzdem viele Sachverhalte, die ich einfach glauben muss oder will, da ich sie nicht alle überprüfen kann oder will.

Und darüber hinaus gibt es allgemeingültige ethische Werte an die ich glaube (und sie anwende), da sie sich auf das gedeihliche Miteinander beziehen und uns in den natürlichen Kontext unserer Erdenexistenz einordnen.

Die patriarchalen Weltreligionen, die einen gruselig hohen Anteil an monotheistischen Theologien aufweisen, mögen vielleicht einmal als eine Art Verhaltenskodex für frühe patriarchöse Gesellschaftsformen angefangen haben (siehe die 10 Gebote), aber die humanen ethischen Werte, die sich die moderne Gesellschaft gerade wieder gegen religiös verquaste Vorstellungen langsam erkämpft, sind so was wie ein Teil unseres artgerechten Lebensstils und daher keine Neuschöpfung, sondern nur eine Erinnerung ...