08 April 2014

Stichwort: Großmutterhypothese

... noch ein Kommentar...

... es ist ein wirklich interessanter Ansatz, sich auch die Tierwelt bezüglich des Alters anzusehen... das Gen der Langlebigkeit hat jedenfalls nicht erst die Spezies Mensch entwickelt, wie wir wissen. Das einzelne langlebige Wesen profitiert somit von diesem arterhaltenden Vorteil und der biologische Sinn des Lebens ist sein eigener Erhalt. Einmal in Gang gesetzt, ist Leben ein Selbstläufer und der Sinn seines Daseins ist sein Fortbestehen.
Die (menschliche) Art zu erhalten baut auf vielen Strategien auf. Entscheidend in der Menschen-Evolution war imho die Gruppe, bestehend aus konsanguinen Angehörigen, welche die Schutzsphäre für den Nachwuchs bildete. 
In diesem natürlichen Grundkonzept findet auch die sogenannte Großmutterhypothese ihren Platz. Sie besagt, dass die, über die Menopause hinaus, länger lebende Frau eine entscheidende, die Art(erhaltung) fördernde Funktion innehatte und deutet damit das eben genannte, grundlegende, gruppenkollektive Fürsorgeverständnis an.
Das wird, meiner Meinung nach, immer noch nicht genug herausgestellt, dass die Großmutter (auch als Synonym für den Anteil der Älteren in einer Gemeinschaft) ein wesentliches Regulativ der (Menschen)Gemeinschaft ausmacht und das menschliche Dasein bereichert.
Auch andere Spezies sind je nach sozialer Organisation, auf das Erinnerungspotential der älteren und somit erfahreneren Teammitglieder angewiesen. Irgendwo habe ich gelesen, dass es beispielsweise für die heute existierenden Elefantenherden ein großes Problem darstellt, dass es kaum noch richtig alte Elefantenkühe gibt. 
Diese unersetzlichen Trägerinnen des Erfahrungsgedächtnisses, das sich über viele Jahrzehnte erstreckt und klimatische und jahreszeitliche Abläufe, verschiedene Gefahrensituationen sowie das basale optimale Elefantenleben gespeichert hat, zeigen ihren Nachkommen wie es geht, ein zufriedener Elefant zu sein und ebenfalls sehr alt zu werden. Und nur so zur Erinnerung - ein alter Elefantenbulle unterrichtet die Kleinen jedenfalls nicht, im Gegenteil sie werden von ihm ferngehalten.
Auch unser frühes menschliches Zusammenleben, die mütterlich und geschwisterlich geprägte Lebensgemeinschaft in der matrilinearen Gruppe bzw. Sippe, stellte nicht nur die Schutzsphäre für den Nachwuchs, sondern beschützte auch das wissende Potential der Gruppe, das durch die alten Mütter repräsentiert und getragen wird. Wenn keine älteren Frauen mehr in generationsübergreifenden Lebensgemeinschaften den aktiven Alltag beleben, weiß vielleicht eines Tages keiner mehr, wie Menschlichkeit wirklich funktioniert. 


04 April 2014

Zuckerschlecken

...da ich zum Bloggen irgendwie so gar nicht mehr komme, greife mal in meinen Fundus und poste einfach ab und zu ein paar ältere Kommentare...

Kinder sind Mitmenschen in ihren ersten Lebensjahren. Eine Aussage zu treffen wie: ich mag keine Kinder!, bedeutet eigentlich auch: ich mag keine Menschen! Aber das kann natürlich jede halten wie sie will.
Wir alle fangen als das Kind unserer Mutter unser Leben an. Das ist ein Lebensmerkmal, genau wie, dass wir alle einmal sterben werden. Es ist die Unausweichlichkeit des lebendigen Daseins.
Der Mensch in unserer derzeitigen Gesellschaft hat sich mit der Entwicklung abgefunden, dass Kinder nicht wirklich zu unserem öffentlichen, sozialen Leben in allem Selbstverständnis gehören. Es gibt Bereiche in unserer Kultur, da kommen Kinder nicht nur nicht vor, sondern jeder versucht sie aus diesen "erwachsenen" Bereichen herauszuhalten. Kinder werden separiert und unsichtbar gemacht. Nur da, wo sie den Konsum antreiben, werden sie
als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen. Wir begegnen sozusagen kaum noch Kindern in 'freier Wildbahn'.
Auch die Erwachsene treten nicht überall selbstverständlich in Verbindung mit ihren Kindern auf. Mehr denn je werden Kinder in der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet, quasi als störend empfunden und besitzen fast schon Seltenheitswert.
Wir sind an die kleinen Ghettos überall, Betreuungseinrichtungen aller Art, wie Kitas und Schulen gewöhnt, in denen Kinder einen oft entscheidenden Teil ihres Tages verbringen müssen. Das Durchschnittskind lebt überwiegend isoliert in seiner häuslichen Umgebung oder fernab seiner Angehörigen unter "seines gleichen" also in einer altersmäßigen Zusammenfassung und dort ist es in gewisser Weise schutzlos auf sich allein gestellt. 
Den kleinen Mitmenschen nicht zu mögen, heißt auch, ihn nicht zu kennen, sich nicht auf ihn einzulassen. Es gab für mich eine Zeit (Teenagern sein ist so eine Zeit), da konnte ich mir nicht im mindesten vorstellen, einmal Mutter zu sein. Damals sagte ich zu einer Freundin, dass ich nie Kinder wolle. Aber zu dem Zeitpunkt, kannte ich ja auch meine späteren Kinder noch nicht! Diese, mir zugehörigen Menschen, kennen zu lernen hat folgerichtig mein Leben und die Sicht darauf völlig verändert.
Ich plädiere hier jetzt nicht dafür dass Frauen unbedingt Kinder bekommen sollen, absolut nicht. Wie wir bereits festgestellt haben, ist eine solche Entscheidung ohnehin ein Dilemma. Mir geht es nur grundsätzlich um einen differenzierten Umgang mit diesem Thema und um die Feststellung das Kindsein in unserer Gesellschaft wahrhaftig kein Zuckerschlecken ist, wir es aber durchaus ändern könnten.
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14 März 2014

... ersatzlos gestrichen?

Die von mir sehr verehrte Claudia von Werlhof sagt: "Im Westen werden Frauen nicht in 1. Linie unter dem Aspekt ihres potentiellen oder aktuellen Mutter-Seins betrachtet." 

Genau das ist das Problem, das der patriarchös gedopte Mainstream einfach nicht wahrnehmen will bzw. kann. Statt dessen wird 'die Mutter' direkt oder latent diskriminiert bzw. prophylaktisch diskreditiert.
Die Frauen soll generell nicht (mehr) unter dem Aspekt des Mutter-Seins betrachtet werden. Und die Frauen selbst tun es auch in der Regel nicht. Ihre (moderne) Konditionierung blendet eine Mutteraufgabe als selbstverständlichen Lebensaspekt von vornherein aus. Da erstens das Muttersein als temporärer (also vorübergehender, heutzutage sogar zeitlich sehr begrenzter) Aspekt im Lebensplan einer Frau angesehen wird und zweitens weil das Muttersein in unserer Gesellschaft als der unattraktivste 'Job' schlechthin gilt.

Die Frau teilt sich das Aufziehen des Kindes idealerweise mit einem Lebenspartner. Denn ... eine matrilineare und matrifokale Sippengemeinschaft existiert schon lange nicht mehr. Allerdings und auch das ist ein verdecktes Problem, wird zwar der Mann in der Erscheinungsform des Vaters, als Ernährer angesehen, wird aber oft von der Frau (eher unbewusst) nicht wirklich als gleichberechtigter Fürsorger akzeptiert. Der Mann, der Partner oder Beziehungsgefährte, ist und bleibt ein Nichtangehöriger, ein 'Fremder'. Die von beiden in ihrer Herkunftsfamilie erlernten Vorstellungen von Fürsorge, korrelieren eher selten miteinander und die kulturelle Forderung nach einer gemeinsamen elterlichen Erziehungstendenz, fällt meist mit unter die zermürbende Paar-Beziehungsarbeit.

Wenn das Wort 'Kind' fällt, wird damit immer noch kaum als natürliche Begleiterscheinung ein Mann assoziiert, sondern nach wie vor eine Art weiblicher Background. Und trotz heutiger verschiedener, Werbestrategien, die gern auch mal Mann und Kind kombinieren, bleibt das angestrebte Guter-Vater- Image als Projektionsfläche für den, als natürlichen erscheinen sollenden, kulturell-gesellschaftlichen Effekt aus. Es gibt ihn zwar, den modernen fürsorglichen Vater, aber er ist kein durchgängig kollektives Phänomen. Zumal der 'gute Vater' eine eher diffuse Sammlung von althergebrachten Inszenierungen und modernen Kreationen ist, die auf das ursprüngliche (natürliche) Mutterbruder-Verhalten zurückzuführen sind.

Es gibt darüber hinaus zwei unauffällige, aber wesentliche Momente, die keine Vorstellung von einem nachhaltigen Muttersein aufkommen lassen (sollen). Einmal die (politisch motivierte) Hartnäckigkeit mit der grundsätzlich von 'Eltern' gesprochen wird und die den Gedanken-Automatismus 'Vater und Mutter' auslöst, sowie die bedenkliche Tatsache, dass jedem (zufälligen) Lebensgefährten der Mutter die sozialen Vaterwürden zugesprochen werden.


Der einst „hehre“ (patriarchale) Vatergedanke, schwankt derzeit zwischen der (gesetzlich abgesteckten und moralisch festgetackerten) Verursacherverantwortung und der im einzelnen oft stark fluktuierenden Praxis der „sozialen Vaterschaft“ innerhalb der zunehmenden Familien-Patchwork-Landschaft. Die Mutter, gilt zwar nach wie vor als Basiscrew, bleibt jedoch in jedem Fall blass und unbedeutend. Auch deutlich zu messen an der Tatsache, dass die aktuelle Gesetzeslage ihren Status immer mehr demontiert. Damit bleibt die Elternschaft, also das für ein Kind verantwortlich zeichnende Paar, immer ein Dilemma, denn es gibt keine essentielle Gleichwertigkeit.

Da die Frau in unserer Gesellschaft inzwischen durchaus auch als 'geschlechtsfernes Neutrum' (Begriff by Claudia von Werlhof) im Sinne von: sie ist noch nicht ganz männlich, angesehen wird, gilt ihre weibliche, natürliche, Kernkompetenz 'Mutter zu sein', mehr denn je einer Art zu verbergender Geburtsfehler. Selbstverständlich kann und soll Frau weiterhin Kinder gebären, nur 'Mutter' braucht sie nicht mehr sein. Es wird ihr (angeblich) leicht gemacht mit dem 'Fremden' an ihrer Seite, mit welchem sie eine Lebensgemeinschaft pflegt sowie mit den staatlichen Instituten, Kinder aufzuziehen. Selbst als sogenannte Alleinerziehende, ist sie trotz zunehmender Mütterarmut in der Lage ihr Kind irgendwie groß zu bekommen.

Die heute mehr denn je tradierte Trennung der Tochter von der Mutter erfolgt heutzutage nicht mehr durch rigide Maßnahmen, wie vor Jahrhunderten, sondern indem die Frau in vorauseilendem Gehorsam selbst die Tochter von Kindheit an konditioniert und sie möglichst ohne ein (natürliches) Muttervorbild ins Leben entlässt. Zumindest ist das die angestrebte gesellschaftliche Erscheinungsform.

Eine artgerechte, generationsübergreifende Bindungsgemeinschaften zwischen konsanguinen Angehörigen ist das eigentliche Feindbild, da in diesen Ursprüngen 'der Vater' als taktgebende Institution nicht stattfand und die eigentlichen Trägerinnen der naturgemäßen menschlichen Fürsorgegemeinschaften die Mütter
sind. Das unsinnige Bestreben diese „auszurotten“ kann keine Zukunft haben, weil sobald die scharfe patriarchale Kontrolle nachlässt, sofort die natürliche Programmierung wieder greift. Denn die seit Jahrtausenden wütende Patriarchose hat die Natur noch nicht überwunden. Die nicht auszumerzende Gynergie schwelt weiter zwischen all dem Bemühungen der kollektiven Vateridee die Mutter ersatzlos zu streichen und diese steht kurz davor sich wieder als der Herd, die Mitte, in einer matrifokalen Zukunft zu etablieren.

Die ersten (Mütter) sind schon aufgewacht und sie streben das bis eben noch verdrängte artgerechte Miteinander an. Wenn auch manchmal der Eindruck besteht dieses Entdecken und Praktizieren des mütterlichen Vermögens betrifft nur unsere Babys und Kleinkinder, weitet es sich doch langsam aus. Die (physische) Mutterbindung ist immer noch ein natürlich vorhandenes und latent gesellschaftlich anerkanntes Phänomen, dass sich über die innige Mutter-Kind-Einheit hinaus in der Großmutter, Schwester und Tochter verankert. Wenn wir wieder anfangen an die Großmütter zu denken, wenn es um Zugehörigkeit und Identität geht, also unsere Wurzeln in den Ahninnen anerkennen, dann relativiert sich auch die Interpretation der väterlichen Bedeutung und damit die patriarchöse, hierarchische Struktur.

„Die westliche Frau ist heute buchstäblich mutterseelenallein.“*


Aber es gibt Hoffnung, wenn sie endlich anfängt sich der Mutter zuzuwenden, in sich selbst sowie ihrer persönlichen und der symbolischen Mutter. 



* Zitate: Claudia von Werlhof

08 Februar 2014

Das Warum und das Wie

Ich habe mich schon des öfteren mit Missverständnissen auseinandergesetzt. Der Aufschrei der Gegenüber ging von sanften Schubsern bis hin zu empörten Angriffen. Man (und manchmal auch frau) war schon oft der Meinung, dass ich falsch liege oder die Realität nicht erkannt hätte bzw. man wollte mir "massiv widersprechen" ... die gegnerische Argumentation fiel dann meist aus, da es vielen zu mühsam erschien, eine fundierte Gegenthese aufzufahren. Dabei lag es imho oft nur daran, dass unsere Intention, mit der wir etwas betrachteten, völlig verschieden waren. Persönliche Befindlichkeiten erscheinen mir im Zusammenhang mit strukturellen Analysen als wenig hilfreich und ich möchte auch keine Fragen mehr beantworten, bei denen die Antwort eigentlich auf der Hand liegt.
Im Allgemeinen frage ich daher nicht mehr nur nach dem Warum, sondern vermehrt nach dem Wie... (denn das Warum ist meist schnell beantwortet.)
Das Wie ist für mich meist von größerem Interesse, da es viele Warum-Fragen überflüssig macht. Zum Beispiel - Wie entwickelte sich einst das Menschsein in seiner heute immer noch wirksamen Ausprägung? 
Das Warum klagt eher die Umstände an. Warum sind Frauen heute immer noch das gesellschaftlich unterlegende Geschlecht? Warum werden Mütter nicht von der Gemeinschaft umsorgt? Warum gibt es heute Väter, die nahezu verzweifelt um ihre Kinder kämpfen?
Und und und...
Auf diese Warum-Frage gibt es in der Regel einfache, gesellschaftskritische, Antworten. Beziehen wir jedoch in die Gesamtsicht noch den entwicklungsbedingten (auf das artgerechte Sein bezogene) Blick mit ein, führt uns das über das Warum hinaus zu der Frage nach dem Wie und dem kausalen Zusammenhang.
Nehmen wir z.B. die Väter – Warum kämpfen Väter heute auf diese besondere Weise um ihr Kind?
Weil sie es, seit der Status des Vaters eingeführt wurde, zum ersten Male nötig haben.
Seitdem das patriarchale System existiert, gehörten Kinder dem Vater, vorausgesetzt er ließ sich dazu herab, sie anzuerkennen. Je nach Zeit und Kultur war der patriarchale Vater und hier besonders der privilegierte Mann, in der Regel auch Herr über Leben und Tod seiner Kinder. Der Herr an der Spitze der Hierarchie besaß nur noch als "Herrn" die Götter oder einen Gott über sich. Mit der Erschaffung der Götter und vorallem des monotheistischen Gottes, führte der patriarchale Mann ein Rechtfertigungssystem für seine Handlungsweise ein. Diese Ideologie sanktioniert immer noch, dass der 'kollektive Vater' "seine" Kinder und hier besonders die Söhne, auch in den Tod schicken kann.
Heutzutage ist das Kind nicht etwa aus der einstigen Willkür des 'Vaters' wieder in die Fürsorgekompetenz einer Müttersippe zurückgegeben, im Gegenteil, beide, Mutter und Vater, sind dem anonymen kollektiven Vatergeist unterworfen, der sich im Mainstream niederschlägt und letzlich nur bedingt für das Kind Sorge trägt. 
Das Aufziehen der Kinder obliegt dem Elternpaar, deren Handlungsspielraum einer bestimmten Gesetzesstruktur unterworfen ist. Dabei kommt es u.a. zu seltsamen Konsequenzen. Der „Staat“ versucht das Kind vor den Eltern zu schützen, da diese, erfahrungsgemäß, in der isolierten Kleinfamilie das Kind durchaus auch gefährden können. So wird eine Scheidung der Eltern vom Gericht prinzipiell an das Jugendamt* gemeldet?
Väter kämpfen also heute selten um Wohl ihrer Kinder, sondern eher um das Sorge- oder Mitbestimmungsrecht am Kind. Und zwar gegen die Mütter.
Warum tun sie es? Auch und meiner Meinung nach vor allem, weil ein Kind für einen autonomen Erwachsenen eine besondere Form der Zugehörigkeit bedeutet, die übriggebliebene Identifikation mit dem verwurzelten Sein. Sahen sich in der Vergangenheit die Menschen eher in ihrer Bindung in den vorangegangenen Ahninnen verwurzelt, findet heute eine Art der Umkehrung statt. Es wird sich quasi in die Zukunft verbunden. 
Der modere patriarchale Mensch verhält wie der Patient 0, bei dem alles beginnt und der seine Zugehörigkeit nur über seine Person und seine Nachkommen definiert. Auch Frauen fällt es scheinbar zunehmend schwer, sich in eine Ahninnenreihe zu stellen. (Das Mutter-Tochter-Problem ist, wie wir wissen, vielfach schon legendär.)
Stellen wir also die Wie–Frage... wie kam es zu dieser Verlorenheit der (einsamen) Väter. Das wiederum eröffnet einen weiten Betrachtungskomplex an dessen Ende die Erkenntnis stehen wird, dass unsere Männer, die sich nur noch über die Vaterideologie definieren, kollektiv vergessen mussten, dass sie auch bzw. vor allem Söhne und Brüder sind. Weder Frauen noch Männer pflegen heute kaum eine alltägliche Bindung zu ihrer konsanguinen Herkunft. Die dadurch verschwundene (essentielle) Zuwendung und der, auch für Erwachsene bedeutsame, Geborgenheitseffekt kann nicht allein durch einen (fremd gewählten) „Partner“ ersetzt und auch nicht vom eigenem Kind aufgefangen werden. Es wird immer davor gewarnt, dass Alleinerziehende ihr Kind als Partnerersatz missbrauchen, dabei wird übersehen, dass unsere Kind schon seit langem als Sippenersatz herhalten müssen.
Wahrscheinlich werden wir die derzeitigen Strukturen, die auf der Paarideologie und dem Mangelkonstrukt Kleinfamilie aufgebaut sind, nicht so schnell korrigieren können, um wieder in die Geborgenheit einer generationsübergreifenden Artgerechtigkeit zurückzufinden, aber wir könnten schon mal überlegen, Wie das zu schaffen wäre.


*  http://www.muetterblitz.de/Gerichtskrimi/datenschutz.masp

05 Februar 2014

sorgsam

Eine Freundin meinte, dass ihr das Wort 'Fürsorge' nicht so gut gefällt, weil die ihr negativ erscheinende 'Sorge' darin steckt.
Nun verwende ich
eigentlich den Begriff 'Fürsorge' in meinen Ausführungen ständig, denn noch habe ich für die gegenseitige essentielle Zuwendung in (konsanguinen) Lebenskreisen, keine andere, passendendere Bezeichnung gefunden.
Sorge ist imho erst in der heutigen Zeit zu einem sorgenvollen Wort geworden - Fürsorge, Obsorge, sind quasi Spezifikationen von dem natürlichen 'sorgen für' oder anders ausgedrückt: sorgsam und fürsorglich sind basics des mütterlichen Umgangs. 
Für jemanden Sorge tragen, sich um die Nächsten sorgen (nicht zwanghaft Sorgen machen!) ist ein zukunftsgerichtetes Handeln. Sorge, ist eine altbekannte Beschreibungen für Zuwendung und Beachtung. Und 'ausgesorgt' ist gleichbedeutend mit endgültig beendet. 
Das sind alles vom Ursprung her keine „negativen“ Formulierungen. Gibt es also noch andere treffendere Worte und sind sie genau so komplex und umfassend wie Fürsorge?

Bei meinen Sachtextausführungen verzichte ich gern auf weitschweifiges Formulieren und komme möglichst gleich auf den Punkt. Aber ich bringe in meinen Texten auch gern all die vielen umschreibenden Attribute des Fürsorgekomplexes unter, wie geduldige Pflege oder Geborgenheit spendende Hege, innige Zuwendung und sorgsame Aufmerksamkeit sowie wohlwollende Verlässlichkeit, was dazu führen soll, dass diese zum Teil "unmodernen" Begriffe endlich mal wieder unter die Leute kommen. Sind auch diese Begrifflichkeiten fraglos obligat,  als Sammelbegriff für die generationsübergreifende, gegenseitige 'Hege und Pflege' in Sippengemeinschaften finde ich sie nicht so gut geeignet.

Denn es geht mir bei dem 'Fürsorge' - Begriff nicht um gefühlte Befindlichkeit, sondern um das Darstellen der, auf das gegenseitige Wohl gerichteten, Handlungen...

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15 Januar 2014

fantasielose Verstimmung

"... ein neues Jahr hat begonnen … es ist genau ein Monat her, seit ich den letzten Blogpost eingestellt hab... aus meinem Schreibflow bin ich rausgeflogen... blödes Weihnachten, blödes... und das Wetter nervt mich total!" 

Diesen wenig eleganten Text habe ich gestern einer Bekannten gemailt. Aber so ist es, Emails, Kommentare und Chatgeschreibsel sind die Stiefkinder der Literatur... da gibt es nur husch, husch, keine Zeit und meist kein Korrekturprogramm. Dabei will ich doch 'richtig' schreiben - wohl gestaltet, voller Poesie und möglichst mit Tiefgang - nicht nur Sachtexte und Belanglosigkeiten im Netz hinterlassen...

Noch vor einem Monat hielt ich mich in den mystischen Gefilden Fantasiens auf – ich habe mich in einer geheimnisvollen Höhle verlaufen, einen verlorenen Bruder gesucht und bin der Bleichen Frau im Nordturm begegnet. Und heute sitze ich an einem prosaischen Schreibtisch, starre durch die ungeputzte Fensterscheibe in ein regnerisches Grau(en) und versuche wieder den Anschluss zu finden. Sind denn alle Musen zum Skifahren? Hallo – Wir haben gar keinen Winter! Oder liegen sie im Winterschlaf? Hallo – Wir haben gar… ach, das hatte ich ja schon.

Würde ich auf Papier schreiben, hätte ich vermutlich schon drei Stifte zernagt. So starre ich nur auf die Tastatur und hoffe, dass in den Ritzen zwischen den, mit Buchstaben verzierten, kleinen Quadraten plötzlich zartes Grün sprießt, Frühlingsblüher hervor drängen und entzückende fliederfarbige Wölkchen über den leeren Monitor ziehen...
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15 Dezember 2013

Die war noch von der alten Welt

Das Jahr neigt sich und meine Gedanken zur Alten sind noch lange nicht am Ende. Es gäbe noch so viel darüber zu künden.Das Großmutter-Sein ist eine der Phasen in einem Frauenleben und heutzutage für fast jede Frau keine kurze. Es ist die Zeit der Reife, der Alten, der Weisen und kann mehrere Jahrzehnte umfassen.

In einem Gespräch wurde mir einmal von einer recht jungen Frau vorgehalten: Na und – nicht jede alte Frau ist weise.

Das stimmt und auch nicht. Weisheit ist kein Leistungssport. Aber ein Zug unseres menschlichen Seins und nicht immer an ein bestimmtes Alter gebunden. Trotzdem ehrten dereinst unsere Ahninnen und heute noch viele indigen und matrifokal lebende Gemeinschaften (Völker) das Alter. Sie wussten, was es für die Gemeinschaft hieße, ohne den weisen Rat, die Erinnerungen und den zwischenmenschlichen Ausgleich, den die Alten einbringen, leben zu müssen.

Dabei ist die Weisheit des Einzelnen nicht der entscheidende Faktor, sondern die Haltung, die alle in Respekt und gegenseitiger Zuwendung für einander einnehmen.

Die natürliche, die generationsübergreifende, Fürsorge umfasst eigentlich die Zeit von der Geburt bis zum Tod - ein menschen-art-gerechtes Geschehen, dass aus unserer Kultur fast völlig verschwunden ist. Mal abgesehen davon, dass ich tatsächlich eine mehrfache Großmutter bin, lebe ich schon seit Jahren in der Intention der Alten. Dieses Sein und diese Haltung erfährt, wir wissen es alle, in unserem patriarchalen Gesellschaftssystem wenig bis keinerlei Wertschätzung. Das seit Jahrhunderten missachtete Muttersein eben.

Die Alte, die Mutter der Mutter, ist immer in ihrem Wissen und ihrer Erfahrung die Vertreterin der "altenWelt" auf der letztendlich alles Zukünftige aufbaut.

Das wussten sie auch noch in Zeiten, als die Alte schon nicht mehr gehrt wurde. Wurden doch noch Märchen und Sagen von ihr und von Frau Holle und der Berchta erzählt. Einer solchen Geschichte habe ich einen kleinen Ausschnitt entnommen, der zeigt, dass 'die Alte' schon immer von dieser Welt, aber auch verbunden in den Zeiten war:

„Nun aber lebte auf diesem Hof eine uralte Frau. Die war noch von der alten Welt. Sie saß zu jeder Stunde am Herd, spann im Rauch und roch das Unsichtbare. Die Kunde von den alten Zeiten war ihr noch zugegen, und sie wußte mehr von dem Wechsel und Wandel der Dinge als die anderen.“

Zitat: Raunächte – Märchen, Brauchtum, Aberglaube – aus der Geschichte „Das ausgeblasene Licht“ - Herausgeberin: Sigrid Früh - (Quelle: K. Paetow: Frau Holle, Märchen und Sagen, Hannover 1952)