03 Februar 2016

Was ist Familie...

...neulich stolperte ich wieder einmal über das Wort „matriarchale Großfamilie“. Das ist für mich nun doch der Anlass auf das fast schon gedankelose Selbstverständnis hinzuweisen, mit dem leider allerorten mit dem Begriff „Familie“ umgegangen wird. 'Familie' ist nicht nur das patriarchöse Verständnis von patrilinearen und patrilokalem Zusammenleben, es ist darüber hinaus ein aktiv gelebtes Bekenntnis gegen den naturgemäßen matrifokalen Sippenzusammenhang.
 

Das hört sich vielleicht für manche spitzfindig an, aber "Familie" gab es nun mal im sozialen Miteinander der Spezies Mensch nicht von Anfang an. Die Familie ist eine patriarchale "Errungenschaft" und diese ist, wie alle patriarchösen Meriten, keine natürliche Entwicklung. Schauen wir also was Familie ist bzw. wo die Bezeichnung herkommt. Semantisch leitet sich das Wort 'Familie' von lat. 'familia' - der römischen Hausgemeinschaft und hier von 'famulus' - dem Haussklaven, ab.  

Familie bezeichnet den Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Zu diesem Herrschafts- und Einflussbereich gehör(t)en Frau(en) und deren Kinder aber auch die damals reichlich vorhandenen Sklaven, Gesinde sowie „Bluts“- oder andere Verwandte, die mit unter dem Dach des 'pater familias' lebten (siehe auch Wikipedia). Dieser männliche Herrschaftsaspekt, der dem Familienbegriff immanent ist, ist global betrachtet bis in unsere Zeit hochwirksam, auch wenn das heutzutage in unserer relativ freiheitlichen westlichen Kultur nicht mehr ganz so offensichtlich scheint.

In matriarchal, genauer gesagt matrifokal, lebenden Gemeinschaften wirken Sippen-Strukturen. Das sind die natürlich gewachsene Bindungsgemeinschaften, die sich in der Regel aus den konsanguinen Angehörigen zusammensetzen. Als 'konsanguin' bezeichnen wir Angehörige, die durch Geburt in mütterlicher Linie miteinander verwandt sind.


Eine Familie ist dagegen ein künstliches Konstrukt. Das heutige Verständnis von Familie basiert auf dem anerkannten Phänomen der Paarbildung als Voraussetzung, die wiederum vor allem auf der sexuellen Komponente der Beziehung beruht (wobei wir inzwischen nicht mehr auf das Hetero-Paar bestehen). Hier können wir nicht von Bindung sprechen, da es sich um ein ideelles Bündnis handelt, dass je weiter wir in die Vergangenheit der Patriarchose zurückgehen immer seltener für die Frau eine freiwillige Option gewesen sein dürfte. Die (immer auch gewaltsame) weibliche Unterwerfung fand ursächlich in der Sklaverei und in dem auf vielfältiger Unfreiheit der Frau beruhenden Familiensystem statt. Es ist daher zu bedenken, ob wir die Lebenskonstellation indigen/matrifokal lebender Gemeinschaften als „Großfamilie“ bezeichnen sollten. Auch wenn mit „Groß...“ der generationsübergreifende Charakter beschrieben werden soll, sind Matrifokale doch keine 'Familien'.
 

Derzeit finden wir unter dem Begriff der Familie verschiedene Auffassungen und Ableitungen (auch hier siehe Wikipedia). So ist es üblich die Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie als Kernfamilie zu bezeichnen. 'Die Familie' ist inzwischen ein eher fiktives Gebilde, da ihr ein schwammiges Verständnis von Verwandtschaft zugrunde liegt. Jede Variante möglicher Lebensgestaltung wird heute als Familie bezeichnet – zusammenlebende Freunde fühlen sich ebenso als Familie wie der Klassiker Kleinfamilie auf der Grundlage des Ehepaares. Aber auch ein kinderloses Paar oder die alleinerziehende Mutter mit Kindern gilt als 'Familie'. Eine andere Spielart der anerkannten Familienidee ist die sogenannte „Bonusfamilie“ bestehend aus den fluktuierenden Fragmenten moderner Patchwork-Familien. Wir haben hier verschränkte Gebilde verschiedener Paar-Gemeinschaften, deren Bindeglieder die Kinder sind.

Die (patrilineare und patrilokale) Großfamilie von früher besaß noch eine gewisse generationsübergreifende Qualität, wie wir sie von der Muttersippe her kennen (sollten). Der heutige Gebrauch des Ausdrucks 'Großfamilie' bezieht sich eher auf das patriarchale Elternpaar und eine erkleckliche Anzahl Kinder, welche also in der Regel auch nur mit zwei Erwachsenen (unter)versorgt sind. Im (ursprünglichen) 'Mutterland' gibt es keine „Familie“, die als Gründungsmitglieder zwei Fremde zusammenbringt, welche sich per (freiwilliger) Bereitschaftserklärung zu einer gemeinsamen Lebensführung verpflichten und in der es nahezu ein Dogma ist, die eigenen Herkunftszusammenhänge hinter sich zu lassen. Die "eigene kleine Familie" zu gründen, die heutzutage auf einer moderne Partnerschaft beruht, ist der gesellschaftlich anerkannte Lebenssinn. Die uneingeschränkte Freiwilligkeit, die uns hierbei suggeriert wird und die in unserer Kultur die Beziehung exklusiv stellt, ist allerdings weltweit immer noch nicht selbstverständlich, zum Teil noch nicht einmal in unserem Land.

Statt im matriarchalen Denken mit Begriffen wie Großfamilie zu operieren wäre ein Begriff wie 'Das Matrifokal' angebracht. Das Matrifokal war und ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als die
real vorhandene, naturgemäße, dynamische Enklave, die von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend matrilinear und matrilokal lebenden Menschengruppierungen. Was bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge-Gruppen, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.
.

26 Januar 2016

Trotz dem...

Unsere Erziehungskultur neigt dazu sich über das altersgemäße kindliche Verständnis (Verstehen können) hinwegzusetzen und (Klein)Kinder zu über- oder zu unterfordern. Ihnen wird mehr denn je ein angehörigenarmer, naturferner und mit reizüberflutender Technik durchsetzter Tagesablauf übergestülpt. 
Artgerechterweise läuft das Klein- und später größere Kind einfach im Alltagsgetriebe mit und lernt in seinem Tempo sukzessive alles was es zum Bestehen seines zukünftigen Lebens in der Gemeinschaft braucht. Es imitiert seine Umwelt, verinnerlicht dabei Sprache und hat seine eigenen Strategien sich verständlich zu machen. Da natürlicherweise Kinder altersgemischt aufwachsen (müssten) findet sich  auch immer eine, die versteht was es möchte. Kinder die verstanden werden haben kaum Grund zu trotzen oder sich entsprechend aufzuregen. Die sogenannte Trotzphase ist m.E. schlichtweg Notwehr und darauf zurückzuführen, dass das Kind gelernt hat auf diese Art zu kommunizieren (Ich habe es auch schon anders erlebt). Wie soll es sich sonst verständlich machen, wenn es (jetzt und auf der Stelle) Aufmerksamkeit, Zuwendung und Interaktion mit (geliebten oder interessanten Mitmenschen) braucht, diese Bedürfnisse jedoch (aus erzieherischen Gründen oder weil es nicht in den erwachsenen Ablauf passt) ignoriert und wegrationalisiert werden? Da bleibt einem doch nur übrig zu brüllen, sich auf den Boden zu schmeißen und bockig alles abzulehnen, was dann der zuständige Erwachsene ins Feld führt, um diese Herausforderung oder Peinlichkeit abzumildern.

Unser Alltag ist ihre Kindheit. So war es schon in meiner Kindheit und davor und davor, nur der jeweilige Stresslevel dürfte ein anderer gewesen sein. Heutzutage werden (Klein)Kinder mehr denn je außer Haus (quasi per Crashkurs) in unsere komplexe, bindungsarme Kultur eingeführt und integriert, ohne wirklich die Chance zu haben, sich dazu artikuliert äußern zu dürfen. Sie müssen die vorgegebenen Bildungsstufen absolvieren und da ist es, auch später im Schulsystem, mit der Meinungsäußerung oder gar dem Ausdruck des anstehenden Gefühl eher schlecht bestellt. Hier ist oft die einzige Strategie sich bemerkbar zu äußern: Lautstärke und Penetranz. Selbst dann, wenn den Kindern bereits ein ausreichendes Vokabular zur Verfügung steht, fällt es ihnen meist nicht leicht die überwältigenden Gefühle, welche durch die grundlegend mangelnde Geborgenheit in unserer Kultur auslöst werden, verständlich oder angemessen zum Ausdruck zu bringen.
Bei unseren Kleinen ist zudem weder der Wortschatz noch das Vermögen zu Abstrahieren bereits soweit vorhanden, dass sie "normgerecht" und auf erwartetem erwachsenem Niveau mitteilen können wo das Schuhchen drückt. Und oft genug sind die meisten Erwachsenen nicht in der Lage sich auf entspannte Art auf das Kind einzulassen und die Situation nach der Prämisse angehen: hier handelt es sich um eine Gelegenheit, die so nie wieder kommt. Ich kenne viele wunderbare Mütter, die es trotzdem schaffen mit diesen anstrengenden und zermürbenden Trotzarien gekonnt umzugehen - an der Ausgangssituation, unserer patriarchösen Gesellschaftsstruktur, können sie aber auch nichts (auf die Schnelle) ändern.

Das frustrierte Kind ist ein Markenzeichen unserer Gesellschaft! Unserer modernen Welt mangelt es an einer Nähekultur in der unser Nachwuchs emotional mitgetragen wird. Alles ist auf den (anonymen) Erwachsenen zugeschnitten und zwar in erster Linie auf den Taktgeber der Gesellschaft - den vitalen männlichen Erwachsenen. 
Jedes Menschen-Kind passt sich dem Umfeld an, in das es hineingeboren wird, um darin zu wachsen und zu überleben. Dass unsere Kinder sich trotzenderweise ausleben dürfen ist hier auch ein Moment ihrer Privilegierung. In vergangenen Zeiten bzw. in der globalen patriarchalen Welt wurde/wird das un- bzw. eigenwillige Kind in der Regel strikt reglementiert und dabei nicht selten sein individuelles Sein gebrochen. Es gab natürlich immer Enklaven, auch heute noch, in denen Kinder menschlich (artgerecht) aufwuchsen und einfach sein durften und verstanden wurden.
Heute geht der Anspruch der Eltern auch mehr denn je dahin, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit angedeihen zu lassen und manchmal führt das auch dazu das Kind mit intellektuellen und materiellen Privilegien zu überschütten, was selten identisch ist mit dem Respekt vor seiner Persönlichkeit.
Ab einem gewissen Punkt, meist wenn das Kind zu Laufen beginnt, werden vom erwachsenen Umfeld Forderungen an das Kind herangetragen, die das Kleinkind oft genug nicht nur an seine Grenzen bringt, sondern es auch hindert seiner altersgerechten Intention zu folgen. Es lernt stattdessen einem Zeitrhythmus zu folgen, den es nicht versteht und der es beeinträchtigt. Dabei wird es fremdbestimmt von seiner eigenen „Arbeit“, dem kreativen selbstbestimmten Spielen, abgehalten. Unsere Gesellschaft erwartet, dass wir die Einsamkeit und den Drill des (von den Angehörigen separierten) Erwerbsleben bereits auf Zweijährige übertragen.

Das Bewegen zwischen vielen Gleichaltrigen frustiert vielleicht mehr als es Spaß macht und Erwachsene, die das nicht abfangen können oder wollen, noch mehr. So kommt es, dass in der Fremdbetreuung (und später in den andern Bildungseinrichtungen) der unsägliche Ansatz zum Tragen kommt, Gleichaltrige in nicht artgerechten Mengen über frustierend längere Zeiträume zusammenzuzwingen. Der kindliche Drang zur notwendigen Körper und Geist befeuernden Kommunikation wird sich so auch immer (für manche quälend langsam) im Rahmen des Gruppenniveaus bewegen. Und zu allem Überfluss wird dieses Niveau durch einzelne (fremde und anonyme) Erwachsene reguliert, die es geschafft haben den Eltern einzureden, dass das das Beste für ihr Kind sei.

Dem individuellen Bedürfnis des Kindes nach interaktiver Stimulanz oder seinem Ruhebedürfnis kann in den Kindergruppen in der Regel nur selten nachgegeben werden. Ihre Gefühle, ihre Fragen und gerade gewonnenen Erkenntnisse adäquat den Mitmenschen mitzuteilen, also mit ihnen zu teilen und sich dabei ihres Wohlwollen sicher zu sein, ist in einer gleichgerichteten Kindergruppe für das einzelne Kind schwer zu gestalten, denn alle haben gerade das gleiche Anliegen.
Die sogenannte Trotzphase ist die Zeit, in der mich die Welt spürbar (noch) nicht versteht und sich grad nicht die Mühe macht das schleunigst zu ändern. Die Verzweiflung darüber, wie auch immer zu äußern, ist eine gesunde Reaktion.

.

17 Januar 2016

was haben sie zu verlieren...?


...es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich Alice Schwarzer zitiere, aber hier ist es mal angesagt:  

"Aber was wir am Fall Köln nicht vergessen dürfen: Zum allerersten Mal in meinem Leben erlebe ich, dass wir in Deutschland in aller Öffentlichkeit vor den Augen der Polizei einen rechtsfreien Raum haben. Das hat es noch nie gegeben. Und es hat es auch noch nie gegeben, dass eine Männergruppe von 1000 Männern oder mehr sich auf Frauen stürzt. Das ist eine Eskalation, die ein Politikum ist. Über das allgemeine Problem der sexuellen Gewalt hinaus … Ich halte Political Correctness für tief reaktionär. Weil sie die Ideologie über die Realität stellt. Das geht nicht."

Ich komme nicht umhin ihr zuzustimmen. Dieses Politikum wird im Moment noch nicht wirklich als solches im Mainstream wahrgenommen. Noch wird gern eher angemahnt, dass es auch hier, in unserer westlichen Gesellschaft, schon immer sexualisierte Gewalt gab. Natürlich ist das so! Auch hier und sogar in besonderer Weise leben wir im Patriarchat und da sind (sexuell motivierte) Belästigungen und (gewaltinduzierte) Übergriffe sowie Frauenverachtung jedweder Couleur an der Tagesordnung. Aber eben eher weitgehend als Einzelerscheinung, wenn auch durchgängig. Der gewaltbereite Mann ist nun mal ein akzeptierter Aspekt der patriarchösen Gesellschaft. Allerdings ein vielfacher gezielter Angriff auf Frauen, wie bei den Ereignissen der letzten Silvesternacht durch eine im Pulk auftretende bestimmte Gruppe Männer, ist neu in unserer liberalen Gesellschaft. Zwar gibt es das im sogenannten arabischen Raum inzwischen häufiger - es ist dort sozusagen an der Tagesordnung - aber in Deutschland, in Europa, kannten wir das so eben noch nicht. Heißt das jetzt, dass wir uns daran werden gewöhnen müssen?

Dieses Phänomen sorgt nicht nur für den unterschiedlichsten Aufruhr, es deckt auch gleich noch einige bisher verdrängte „Schwachstellen“ im System auf. So wird beispielsweise ein handfester gewaltsamer, als sexuell motiviert verkappter Angriff auf die Frau von unseren Gesetzen nicht wirklich geahndet. Diese Männer, die aus welchen Motiven auch immer heraus sich dieser Vergehen schuldig machten, haben also erst einmal nicht wirklich etwas zu befürchten. Nicht einmal, dass sie eventuell Knall und Fall abgeschoben werden, wenn es sich um Migranten handelt - da sei unser Rechtsstaat vor. Es werden viele Motive und Gründe vermutet und einer dieser Hintergründe ist auch, dass sie aus ihrem Kulturverständnis heraus kaum Unrechtsbewusstsein an den Tag zu legen brauchen, denn sie können sicher sein, dass sie bei solch einem Verhalten nichts zu verlieren haben. Im Gegenteil, sie können auf Anerkennung und Beifalls in ihren Peergroups hoffen.

Männer, die Frauen belästigen, sie mit eindeutiger sexuellen Motivation attackieren, dabei noch ihre Gewaltfantasien ausleben oder sie gleich vergewaltigen, tun das, wenn sie unserem Kulturkreis angehören, eher heimlich, möglichst versteckt, zumindest unter Ausschluss irgendeiner Öffentlichkeit. Denn diese Männer haben in ihrem Alltagsleben meist etwas zu verlieren. Ich lehn mich mal aus dem virtuellen Fenster und behaupte: Heute ist ein Vergewaltiger kein toller Hecht mehr sondern nur noch ein Verbrecher. Wenn auch unsere Gesetzeslage auf beschämende Art und Weise hinterherhinkt und der Schwere all dieser Vergehen und Untaten immer noch nicht gerecht wird. Daher ist es, ich kann es kaum glauben, möglich Frauen körperlich anzugreifen (im doppelten Sinne sowie gegen ihren erklärten Willen) und es findet sich kein Paragrap, der den oder die Täter hier eines Verbrechens bezichtigt und eine Bestrafung in Aussicht stellt. Beleidigung ist das einzige, was dabei rumkommt. Immerhin schon mal Beleidigung - aber es ist doch letztendlich viel mehr als nur ein beleidigender Akt. Das Betatschen, Festhalten, Angrapschen, das Zerreißen von Kleidungsstücken oder gar das Einkesseln von einzelnen Frauen durch mehrere Männer ist und bleibt ein böswilliger Angriff, auch wenn er den Täter Spaß bereitet. Es ist ein Angriff, bei dem auch eine Verletzung (oder gar schlimmeres) billigend in Kauf genommen wird, der das (arglose) Opfer in Angst und Schrecken versetzt und immer ein Trauma zur Folge haben wird. Gewiss lassen sich einige traumatischen Erfahrungen, die wir alle im Leben einmal haben, überwinden. Ein Unfall, ein Sturz, ein Situation wie beinahe Ertrinken kann dazu führen, dass wir ernsthaft in Gefahr geraten und der dabei durchlebte Schrecken und Schock ein Trauma auslöst. Doch ein willentlicher Angriff durch einen oder mehrere anderen Menschen ist in unserer wohl geordneten Gesellschaft eine Erfahrung, die niemand machen möchte und die in den letzten Jahrzehnten zwar vorkam, aber, na sagen wir, relativ selten.

Die Akzeptanz meiner Person, die Unversehrtheit meines Körpers und meines Geistes bewahren zu können, das Recht auf meinen persönlichen Ausdruck - mit einem Wort - meine Integrität zu achten - all das erwarte ich von meinen Mitmenschen und ich bin evident bereit einer jeden anderen Person diesen Respekt entgegenzubringen – das ist ein natürlicher sozialer Akt. Auf dieser Basis existiert auch der artgerechte matrifokale Zusammenhalt. Aber die patriarchale Gesellschaft tickt nicht so.

Die androzentrierten und hier im Besonderen die monotheistischen Religionen, wie der Islam aber auch das Christentum, sind lediglich rigide Interpretationen des Grundgedankens des Patriarchats – der Vater-Herrschaft - und sie haben allesamt in der sozialen Balance eines artgerechten Menschenlebens ungeheuren Schaden angerichtet. Dieser gut installierte Ungeist setzt sich immer noch weiter fort. Und auch gefühlt gemäßigte Ideologien oder aufklärerische Philosophien, die auf der scheinbar fortschrittlichen Idee von Freiheit, Gleichheit und vor allem Brüderlichkeit aufbauen, streben lediglich eine Verschiebung der Machtverhältnisse auf dem bestehenden Herrschaftsfundament an. Denn das patriarchale System ist die gewaltsame Durchsetzung des Gedankens, dass dem Mann – Vater – Herrscher die Kontrolle über jedwede Form des soziokulturellen Zusammenlebens aller Menschengemeinschaften zusteht und der privilegierte Mann sie exklusiv nach seinem Gutdünken ausüben darf. Das drängt automatisch die Frau nicht nur in die Passivität, sondern macht sie auch zur komplett Unterworfenen. Sie ist seitdem das gottgewollte Opfer dieser gesellschaftlichen Geiselnahme, das sich nur noch ins Stockholmsyndrom rettet kann um zu überleben. Die patriarchöse, durch den privilegierten Mann ausgeübte Macht (von latent und unterschwellig bis zu offen brutal) umgibt grundsätzlich jede Frau, selbst jene die glauben an den Privilegien des Mannes beteiligt zu sein. Sie alle, uns alle, umgibt die Aura des patriarchal instrumentierten Sklaventums.

Die paar Jahrzehnte des Besinnens auf humane Werte und der Beginn der Selbstbestimmung der Frau in einer modernen Gesellschaft, die wir nach dem letzten großen patriarchösen Crash in Europa, dem I und II Weltkrieg, zu leben begannen, scheinen nun vorbei zu sein. Ein neuer erschreckender Backlash holt uns gerade ein. Denn unter der Camouflage der Friedfertigkeit gärten sie weiter, die seit Jahrtausenden gehärteten Gewaltrituale der patrizentrierten Bruderschaften.

Wir Schwestern und Mütter sind noch lange nicht gemeinsam mit unseren Töchtern, Söhnen und Brüdern im Mutterland angekommen.


 .

30 November 2015

Das in die Pflicht genommene Elternpaar als moderner Garant des menschlichen Arterhalts und die Grenzen dieses Kunstprojektes...

Ständig begegnet mir, auf Grund der allgegenwärtig patriarchalen Konditionierung in der modernen Denke die Annahme, dass die biologische Reproduktion des Menschen lediglich eine Sache zwischen einem Mann und einer Frau sei, da dieser natürliche Akt auf (Hetero)Sexualität beruht. Das Paar, ob flüchtig bekannt oder dauerhaft vermählt, hat aus Sicht des Mainstreams eine Art kongenitalen Fortpflanzungsauftrag inne. Hierbei steht die Zeugung, geadelt durch den beteiligten Mann, im ideologischen Focus, während das 'Austragen' und das 'Auf die Welt bringen' sowie das 'Aufziehen' des Nachwuchses sich in einer Art Grauzone der Gesellschaft abspielt und der jeweiligen, mehr oder weniger separierten Mutter zugeordnet wird. Das Gros der Gesellschaft verhält sich dabei immer noch so, als würden Kinder, sind sie einmal da, von alleine groß und sieht sie lediglich als das Nebenprodukt des sexuellen Vergnügens des (Eltern)Paares.
 
Seit sich die Patriarchose etablierte, wird dem Mann prinzipiell, heute allerdings eher inoffiziell, mehrere Sexualpartnerinnen zugestanden, während die Frau durch die tradierte patriarchale Kultur brachial in der Entfaltung ihres Geburtsrechtes, der naturgemäßen (und somit verantwortungsvollen) Female Choice, behindert wird.

Das Problem dieser Betrachtungsweise – erwachsener Mann und erwachsenen Frau, egal wie gut sie sich kennen, machen untereinander beabsichtigt oder per dummen Zufall die Reproduktion der Spezies auf individueller Basis aus – ist nicht nur eine Denkfalle, sondern vernachlässigt im Sinn unseres Daseins das bewusste Integrieren des Nachwuchses in die menschliche (Nähe)Gemeinschaft. Bei der Konzentration auf das (patrarchös) angesagte sexzentrierte Lust- und Fortpflanzungsgedöns wird regelmäßig das, was danach kommt, nämlich die uns menscheneigene und artgerechte Weise mit unseren Kindern das Leben zu teilen, unter den Teppich gekehrt. 
 
Mit dem Moment des Zusammentreffens von Eizelle und Spermium ist der biologische Part des Mannes als Mitzeugender eines neuen Lebens abgeschlossen. Weder die Schwangerschaft, noch die Geburt oder das anschließende mütterliche Fürsorgepaket, welches das Gedeihen des Nachwuchses gewährleistet, erfordert zwingend die Anwesenheit des männlichen Beteiligten oder wirkt sich als spürbarer natürlicher Effekt im Leben des Mann aus. Anders ausgedrückt, wenn ein Mann von seiner Vaterschaft nichts weiß, ändert sich absolut nichts für ihn (manchmal auch, wenn er es weiß). 

Keine hormonellen oder sonstigen physiologischen Hinweise signalisieren ihm die Existenz des Nachwuchses zu dem er sein Spermium beigesteuert hat. Nur kulturell entstandene und kollektiv gestützte Sozialregeln machen einen Mann zum 'Vater' eines bestimmten Kindes. Sich seiner Vaterschaft (einigermaßen) sicher zu sein, setzt u.a. eine sozial gut organisierte Kontrolle über die potentielle Mutter voraus. Doch trotz der heute so selbstverständlich vorausgesetzte romantischen Liebe und der sich auf selbige berufende Gesetzteslage, bleibt die Zuordnung eines Kindes zu einem 'Vater' bzw. 'seine Rechte' an diesem, ein patriarchaler Akt. Schließlich wird eine jede Frau im Patriarchat so konditioniert, dass sie aus Liebe oder in vorauseilendem Gehorsam keinem Vater sein Kind vorzuenthalten hat und keinem Kind den Vater. Eines der größten (und fragwürdigsten) Dogmen der Neuzeit lautet: Ein Kind braucht seinen Vater!

Hier setze ich gern an und behaupte, dass es eher umgekehrt ist: Der Vater braucht das Kind! Jedenfalls heutzutage. Schließlich ist so ein kleines Menschenwesen oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen. Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippe. Der moderne, kinderliebe und fürsorgende Vater agiert hier seinen berechtigten immanenten Drang zur Geborgenheit in einer (ihm) wohlwollenden Gemeinschaft aus. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben der privilegierten Machtoption nur noch das Kerngeschäft der Paarungsfamilie.

'Das Menschenkind' als individueller Teil einer Angehörigengemeinschaft, wurde unter den patriarchalen Verhältnissen zu einem Objekt. Und hier avancierte besonders der Sohn zur Figur und Einsatz in diversen Machtspielen. Vom kostbar gehaltenen Erben bis hin zum ausgebeuteten elenden Sklavenkind wird jedweder Nachwuchs dem Status des als Vater geltenden Mannes zugeordnet und seiner Anerkennung oder Verleugnung unterworfen. Die Kinder des Patriarchats wurden/werden vom 'Vater' im Idealfall legitimiert oder durch diesen bzw. das ideelle Vatertum: geduldet, ignoriert, verdinglicht und sogar als Feind bekämpft. In patriarchalen Verhältnissen muss(te) das "vaterlose" und nur der Mutter zugehörige Kind mit gewissen Formen der Diskriminierung bis hin zur Entmenschlichung rechnen. Grundsätzlich galt das Kind in privilegierten Verhältnissen als Eigentum des Vaters.

In einem 'Matrifokal' sind Kinder wie jede andere Person auch, gemeinschaftsintegrierte und dabei frei handelnde Subjekte. Der (hierarchiefreie) Sozialverband einer artgerecht lebenden Fürsorgegruppe (der Muttersippe) bestand/besteht aus konsanguinen* Angehörigen. Die männlichen Identifikationsbilder in einem solchem Alltag und im kollektiven Mieinander waren/sind Söhne und Brüder (Mutterbrüder). Was die Mutter (und Schwester) gebar, wuchs als selbstverständlich Teilhabende(r) unter dem Schutz aller heran. Ein (dauerhaft oder temporär liiertes) Elternpaar ist keine naturgemäße Voraussetzung und väterlichen Gewalt über das Kind (und seine Mutter) ist im Matrifokal undenkbar .

Die auf Androzentriertheit beruhende kollektive Patriarchose beutet das 'schwanger werden können' sowie die Gebärfähigkeit und die Mutterpotenz einer jeden Frau immer noch schamlos aus. Das steinzeitliche Sozialmodul 'Fürsorgegruppe', wurde durch die Versklavung oder Verheiratung der Frau in patrilinearen Strukturen sukzessive aufgelöst. Die Zerstörung der Muttersippe (Das Matrifokal) sowie die Angehörigensippe als Lebensbasis  aus dem Alltag unserer Gesellschaft endgültig zu tilgen, dauerte immer noch an. 

Bewusste weibliche Veränderungsprozess unsere Zeit sorgen aber auch für ein Abrücken von den tradierten Mechanismen der Partriarchose. Das Besinnen auf unser naturgemäßes Dasein hat schon seit längerem begonnen. Und obwohl es immer noch vielfach akzeptiert wird, dass der natürlicherweise kollektiv gestaltete Arterhalt der Menschenspezies zu eine Art Privatvergnügen der Väter verkam (bzw. in unserer Zeit in der Hand von zwei Personen liegt, die eben noch Unbekannte waren), durchschauen mehr und mehr Frauen den Krampf dieser Verpflichtung und beginnen sich auf ihr verantwortungsbewusstes Mutternaturell (auf Grundlage der menschlichen Female Choice) zu besinnen. Heute wissen wir, dass der komplexe Arterhalt (der in unserer Moderne auf den Begriff der sogenannten biologischen Reproduktion gekürzte wird) seit Anbeginn in den Händen der kollektiv und schwesterlich agierenden Weiblichkeit lag, unterstützt und begleitet durch die Brüder ihres Matrifokals.


* konsanguin - verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie

06 November 2015

Das Problem des Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre

Anne Busch schreibt: „Selbst den Humanitätsbegriff konnte ich nun stehenlassen, da er sich auch als Verantwortung des Menschen für die “Schöpfung“ lesen lässt. Allerdings bleibt auch in ihm ein gewisser Androzentrismus und notwendig auch männlich geprägter Blick erhalten, den ich aber nicht im Sinne eines männlichen Egoismus begreife, sondern in erster Linie als Haltung im Sinn einer übergreifenden und integrierenden Hoffnung für die Menschheit und den von ihr bewohnten Planeten.“

Stephanie Ursula Gogolin reflektiert zum Begriff Androzentrismus:

Der Androzentrismus als Gesellschaftsatmosphäre ist wie ein Aggregatzustand, in dem wir uns bewegen, ohne die anderen Möglichkeiten zu kennen und als wäre er das einzige lebenserhaltende Elixier...

Der allgegenwärtige Androzentrismus trägt eine jede Frau im patriarchalen Taufkleidchen zu den ersten Weihen der Gesellschaft und begleitet sie durch jede Station ihrer gesellschaftlichen Existenz bis hin zu ihrem einsamen Sterben - einsam im Sinne einer nicht präsenten Weiblichkeit.

Wir Frauen sind so auf maskuline Werte geprägt, dass es fast nicht möglich ist, das eigene Frausein tatsächlich, wie es normal wäre, stets zu fühlen oder als schwesterliche Präsenz um uns im Alltag wahrzunehmen. Bei den meisten blitzt es wahrscheinlich nur gelegentlich auf. Die weibliche Seele der Menschenwelt in ihrer mütterlichen Offenbarung ist weder individuell noch im kollektiven Kontext spürbar. Jede psychische, soziale und kulturelle oder auch körperliche Prägung* formt inzwischen ein jedes weibliche Wesen zu eine Art Android. Ein lebendes Kunstwesen, das mit einer maskulinen Programmierung versehen, die Welt der Androzyten erhalten soll. Der innere und äußerliche Kodex dieser unanimen Prägung wird seit Jahrtausenden angewandt und ist nur auf ein Ziel gerichtet: die Hingabe einer jeden Frau an den Mann. Die vom Mann geschaffene komplexe Idee der Versklavung (vor allem weiblicher Menschen) ließ u.a. eine abstrus einseitige Weltidee entstehen, die es schaffte, dass bis heute beide Geschlechter des denkenden Durchschnittsbürgers jede ihrer Wahrnehmung durch androzentrierte Filter fließen lassen.

Erst in jüngerer Zeit greift auch noch die wahrhaft absurde Spielart um sich, als heranwachsende Frau einem Ideal nachzueifern, in dessen Mittelpunkt der privilegierte Mann steht. Alles was Männer können und machen, können und machen heutzutage Frauen auch. Sie sind motiviert zu beweisen, dass sie "es" auch können. Vor allem jedoch können sie es, weil ihnen, vielleicht zu ersten Mal in der patriarchalen Konstellation, der Freiraum dazu gestattet wird. Und der Witz dabei ist, dass die Frau, das konkrete Weibliche, die Matrix dazu beiden, sowohl der Tochter wie auch dem Sohn, bereitstellte. Das heißt, alles was Männer können, zu dem sie fähig sind, wurde ihnen von ihren Müttern vererbt bzw. wurde ihnen mitgegeben. Solange (artgerechte) Mütter- und Geschwistergemeinschaften die Vorlage des sozialen Miteinander für einen jeden Mann war (ist), gab es (vermutlich) auch keine nennenswerten Probleme mit dem Zusammenleben. Der erforderliche Einsatz für ein ausgewogenes Miteinander war lediglich der Einsatz der individuellen (besonderen) Fähigkeiten aller Gruppenmitglieder.Es ist also gar keine Frage, ob die Durchschnittsfrau zu gleichen Leistungen fähig ist wie ein Durchschnittsmann, sondern die Frage sollte vielmehr anders herum lauten.

Die punktuellen Ausnahmeleistungen** die der Mann in seiner für ihn gestalteten Kultur- und Technikwelt zelebrierte und die als Argument für seine intellektuelle Überlegenheit dient, sind überwiegend Leistungen, die wahrscheinlich die meisten Frauen kaum als erstrebenswert ansehen. Ein Hinweis darauf, dass Frauen bis heute, obwohl es für die Durchschnittsfrau von ihren physischen und intellektuellen Voraussetzungen durchaus möglich wäre, all die Vorgaben und Karriereziele erreichen können, die Ideale der Männerwelt eben nicht die ihren sind. Eigentlich haben sie Besseres zu tun. Ihre Kinder aufziehen beispielsweise oder im menschlichen Fürsorgekontinuum sich gegenseitig erhalten. Dem Druck nachzugeben als Frau dem (patriarchalen) Mann nachzueifern, ist nur ein Ableger davon, sich selbst und ihre Kinder wirtschaftlich erhalten zu müssen. Als moderne Frau sind wird auch hier dem androzentrierten Gesellschaftskatalog unterworfen.

Trotzdem herrscht vor der Kulisse des Selbstverständnisses die Welt habe eine männliche zu sein, die seltsame Phobie vor der 'übermächtigen Frau' und dieser Popanz wird uns immer wieder medial gespiegelt. Die ebenfalls gewaltbereite, aber darüberhinaus intrigante Frau, die skrupellos die Welt erobern und diese sich untertan machen will, ist und bleibt eine Männerphantasie und immer noch die Ausrede für das Ausbremsen der Frau auf allen Gebieten. Eine im patriarchalen Sinne mächtige Frau ist eben auch nur eine patriarchal sozialisierte Frau.

Der patriarchale Mann ist über die naturgemäße evolutionäre Selektion hinaus so was wie sein eigenes Züchtungsprodukt. So entstand die abrufbare Kampfmaschine – der verfügbare Krieger, der gehorsame Soldat oder der opferbereite Held. Seit durch Generationen von diversen Machthaber die „freiwillige“ Wettbewerbs- und Kampfbereitschaft beim (Durchschnitts)Mann gefordert, gefördert und erzwungen wurde, erwies sich der hierarchisch integrierte Untertan zum Selbstläufer. Dabei griff als wesentliche Zutat des Über-Vater-Konzepts jede Form von patriarchaler Ideologie und die auf Androzentrismus umgestellten Religionen.

Ein Menschenmann ist per se nicht gewalttätig, sondern dieser Effekt wurde m.E. gezielt selektiert. Heute ist in unserer derzeitigen abendländischen bzw. europäischen Kultur der gewalttätige Mann, obwohl es ihn auch gibt, eigentlich keine Alltagserscheinung. Aber er ist prinzipiell als geduldete Option vorhanden. Der schlagkräftige und körperlich in jeder Hinsicht potente Mann wird uns nach wie vor über alle Medien als Ideal präsentiert. Wir können davon ausgehen, dass viele Generationen die Erfahrung traumatischer Sinneseindrücke und körperlich erlebter Gewalterfahrung (epigenetisch) weitergaben. Zum Überleben in und mit der Natur kam die kulturell geschaffene Notwendigkeit eines Überlebens innerhalb der eigenen Spezies.

Aber es setzten sich im menschlichen Mutationsuniversum auch andere Attribute durch. Die nerdige 'Züchtungsvariante Mann' ist ein besonders schönes Beispiel, wie sehr epigenetische Effekte immer wieder neue Spielarten 'Mann' hervorbringen. Und so können wir uns hier fragen: ist der heutige Nerd ein reines Kulturprodukt oder eine unter dem Eindruck von Kultur passierte evolvierte Selektion? Wie oft gab es einen steinzeitlichen Nerd, mit dem typisch autistischen Couleur? Oder ist der sozialphobische Nerd eine reine Kreation der Neuzeit? Und wieviel Nerd steckt in den Müttern dieser Kinder? Oder wie sehr ist auch die Frau grundsätzlich „degeneriert“ worden? Ich meine damit, wie sehr hat der inzwischen dramatische Mangel an artgerechtem Naturbezug der menschlichen Weiblichkeit geschadet?

Die Androzentierung unserer Welt ist ja nicht eben mal so passiert weil grundsätzlich alle Männer eines Tages so viel empathischer, klüger, vorausschauender, weiser oder humaner als die Frauen wurden, sondern weil sich durch einige Initialzündungen soziopathischer (oder psychopathischer) Art im männlichen Kollektivkörper Eigenschaften wie unsoziales Verhalten, Gier nach Besitz und Macht, Hartherzigkeit, Skrupellosigkeit und eine nicht enden wollende Affinität zur Gewalt potenzierten. Der Androzentrismus ist das Fundament und der Motor der patriarchalen Gesellschaft (Patriarchose).


* die schlimmsten sind Verstümmelungen aller Art, aber auch das derzeitige Schlankheitsideal fällt in diese Kategorie
** wie Eroberungsbestreben, strategische Kriegsführung, (unnötige) pyramidale Bauwerke, technische Erfindungen, Forschungsarbeit zur Profitmaximierung, als Fortschritt deklarierter Raubbau an Ressourcen usw. ...
.

30 Oktober 2015

Das bislang nicht definierte 'Matrifokal'


Neulich sprach ich mit einer lieben Freundin, die leicht genervt meinte, sie hätte jetzt beschlossen wieder den Begriff Matriarchat zu benutzen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Nun wir sollten grundsätzlich derlei Begriffe immer ohne schlechtes Gewissen anwenden. Definitionsarbeit ist ohnehin nicht ohne, was also brauchen wir da auch noch ein schlechtes Gewissen. Wozu dient eine Selbst- oder Fremdzensur? Noch sind all die Begriffe um patriarchale und matriarchale Gesellschaftssicht so gut wie kein allgemeiner Sprachgebrauch. Wenn ich mir zum Beispiel das Wort 'Feminismus' so ansehe, dass immer noch unpassend und manchmal sogar absichtlich falsch benutzt wird, werden wir es noch eine Weile aushalten müssen, Worte wie Matrifokalität, Matriarchy oder eben auch Matriarchat immer und immer wieder zu erklären.
Trotzdem ist es nicht ganz so simpel. 'Matrifokalität' als Ausweichwort für 'Matriarchat' zu benutzen ist hierbei auf gar keinen Fall die Lösung. Denn diese beiden Worte sind in ihrer Bedeutung, also als Begriff, nicht deckungsgleich. Sie bewegen sich sozusagen auf völlig verschiedenen Ebenen. Ist die 'Matrifokalität' sowas wie eine reale Zustandsbeschreibung, haben wir bei 'Matriarchat' eher einen ideologisch geprägten Wunschbegriff. Zu diesem Zweck habe ich mal zusammengetragen, wie ich den Unterschied zwischen matrifokal und matriarchal, zwischen dem sogenannten Matriarchat und der, im allgemeinen und vor allem weiblichen Sprachgebrauch noch längst nicht angekommenen, 'Matrifokalität' sehe.

matriarchal versus matrifokal

...seit von einigen forschenden Denkerinnen gegen den Begriff 'Matriarchat' Sturm gelaufen wird, lassen manche den Ausdruck lieber ganz weg und setzen als Gesellschaftsbezeichnung beinahe unkritisch das Wort 'Matrifokalität' ein. Und für wieder andere ist es eh ein und dasselbe. Aber die beiden Begrifflichkeiten sind nicht kongruent. Ich bin der Ansicht, dass der Unterschied zwischen den beiden Begriffen Matrifokalität und Matriarchat größer ist, als frau im ersten Moment denkt. Und ohne weiter auf die Definitionsdifferenzen um das Wort „Matriarchat“ einzugehen, untersuchte auch ich die beiden Wortgebilde, die sich eben auch ähnlich sehen.

Wenn der Begriff 'Matriarchat' oder 'matriarchal' mit dem 'mütterlichen Ursprung' oder „Am Anfang die Mutter“ übersetzt wird, scheint das den meisten in vieler Hinsicht schlüssig. Jedoch ist diese Überlegung eher eine philosophisch-ideologische Definition, die als Gesellschaftsbeschreibung daherkommt. 'Am Anfang die Mutter' ist zwar auch, wie wir heute darauf bestehen können, eine biologische und daher logische Definition und der stimme ich, unter einem gewissen Vorbehalt zu. Diese Definition sagt nämlich im Detail nichts darüber aus, wie sich der innere soziale Kontext der frühen Menschengruppen am Beginn des Menschseins gestaltete und auswirkte. Der Begriff 'matriarchal' bzw. 'das Matriarchat' betrachtet die frühen Menschengemeinschaften bereits als größere, kulturell interagierende Population und sieht darin somit bereits ein gesellschaftliches Phänomen mit einer Art kulturpolitischen Ausrichtung. 'Matriarchat' können wir nur als gesellschaftstheoretische Definition bzw. Bezeichnung verstehen. Sie beschreibt nicht per se die Parameter des inneren sozialen und sich kulturell entwickelnden Zusammenlebens.

Anders der Begriff 'matrifokal'. Er setzt sich auch aus 'matri' - das Mütterliche und 'focus' – das Zentrum, die Bündelung aber auch der Herd, zusammen und basiert auf den beiden Voraussetzungen 'matrilinear' und 'matrilokal'. Die Matrifokalität ist das naturgemäße menschenartgerechte Kontinuum – entstanden durch das selektive Überlebensprozedere bis hin zu den frühen Gruppen- und Sippengemeinschaften der Spezies Mensch. Hier von einer bestehenden oder organisierten Gesellschaft zu sprechen, finde ich unzutreffend. Diese evolutionär entstandenen sozialen Strukturen sind ein Naturkonzept und funktionieren auf Grund seiner mütterzentrierten, generationsübergreifenden und geschwisterbasierten Attribute.
 

matriarchal versus patriarchal

Logischer Weise deute ich die Begrifflichkeit 'matriarchal', als Pendant zu 'patriarchal', im heutigen gesellschaftlichen Deutungskontext, auf keinen Fall als bloße Umkehrung, als eine Art simplen Austausch der Geschlechterkonstellation, ihrer Affekte und Intentionen. 
Da 'die Mutter' bzw. 'die Mütter' das naturgemäße Zentrum der konsanguinen* Fürsorgegemeinschaft ist und somit vom matrifokalen Anbeginn an die offensichtliche Drehscheibe des menschengemeinschaftlichen  Evolutionsgeschehen war, sollten wir die, auf weiblichem Agieren aufgebaute Selbst- und Arterhaltsfähigkeit - die mütterliche Gemeinschaftskompetenz - als die soziokulturelle Grundlage der frühen Menschengruppen ansehen. Wenn schon der Begriff 'matriarchal' benutzt wird, dann eben auch nur im Sinne von „auf die Mutter bezogen“.

Wir sollten beachten, dass 'patriarchal', im Sinne von „auf den Vater bezogen“, einen ganz anderen Bedeutungsinhalt hat. Der 'Vater' als sozialer Taktgeber ist keine naturgemäße (biologische) Entwicklung. Da männliches Dominanzverhalten immer mit einem (nicht nur die eigene Art) schädigenden Gewaltverhalten einher ging bzw. geht, wurde die menschen-artgerecht bestehende brüderliche Sozialkompetenz zu Gunsten der machtbezogenen Vaterinstallation ausgetauscht - erst kollektiv und dann grundsätzlich individuell. 

Der (Mutter)Bruder als Fürsorgepartner der Schwester innerhalb eines 'Matrifokal' bekam sukzessive eine ideologisch umgerüstete Bedeutung. Im Sinne von Bruderschaft zu anderen nicht angehörigen Männern, wandelte sich verwandtschaftliche Ebenbürtigkeit in androzentrierte Rangfolgen. Und während sich die nun im (Mutter)Sippengefüge platzierten Väter miteinander verbrüderten, wurde die (nicht menschenartgerechte) Trennung von Müttern, Töchtern und Schwestern durchgesetzt und zwar gewaltsam. Der durch Machterwerb privilegierte Mann stieg parallel zu dem jeweils bestehenden Herrscherideal zum Vateridol auf. Die Vaterfigur etablierte sich als omnipotent erscheinendes Subjekt, das bis heute die patriarchale Gesellschaft fest im Griff hat.

Mal abgesehen davon, dass es bis in unsere Zeit hinein nicht wirklich feststellbar war, ob ein Mann der leibliche Vater eines Kindes war, ist der Vaterbegriff in zwei Bedeutungen aufgespalten. Einmal als biologischer Mit-Zeugender eines neuen Lebens und zum anderen als Beherrscher einer sozialen Klein- oder Großstruktur. Seine gesellschaftlich performte und etablierte Rolle als temporärer Fürsorger einer Kleinfamilie bzw. als unmittelbarer Verantwortungsträger für den eigenen Nachwuchs, ist ein recht junge Entwicklung. 'Der Vater', genauer die Vateridee, welche durch patriarchalpolitische Ideologie und Religion stabilisiert wird, ist eine rein männlich inszenierte Kreation. 

Das relativ schnelle Umsichgreifen hierarchischer Herrschaftsstrukturen könnten wir auch als erforderliche Konsequenz ansehen, das Vakuum zu füllen, dass die Zerstörung der naturgemäßen Muttergemeinschaft nach sich zog. Die verkaufte und versklavte Frau hinterließ zwangsweise ein verwaistes 'Matrifokal' und die weitergereichte Tochter (verheiratet oder als politische Geisel) stand als zukünftige Trägerin der mütterlichen Fürsorgegemeinschaft nicht mehr zur Verfügung. Innerhalb kürzester Übergangszeiten übernahmen (einstmalige Mutter-)Brüder die Rolle (und hier handelt es sich tatsächlich nur um eine Rolle) des reputierlichen Vaters, des geachteten Häuptlings (bis hin zur Königswürde) oder des gefürchteten Anführers der Krieger (als Vorstufe des Imperators). Der durch legislative und exekutive Macht aufgestiegene privilegierte Mann veränderte dramatisch und nachhaltig die einstigen Sozialgemeinschaften. Die neuen patrigeprägten Kollektivformen bauten mehr und mehr auf Normen auf, die sich als naturfeindlich und inhuman erwiesen.

Das Matrifokal

Die 'matrifokale Gemeinschaftsform' ist die naturgemäß artgerechte Seinsform der Spezies Menschen. Auf der Basis der Female Choice** gründete sich hier der biotische, also evolutionär durchgesetzte, optimale Lebenserhalt der menschlichen Spezies. Die dem Menschen artgerechte 'Matrifokalität' bleibt daher nach wie vor, einem Organismus ähnlich, unsere evolvierte Lebensbasis, selbst unter den Bedingungen der nicht naturgemäßen Patriarchose.

'Das Matrifokal' war und ist unser ur-natürliches Dasein - das organisch entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als eine dynamische Enklave, die als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend lebenden Menschengruppierungen. Was bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, geschwisterlich basierten Fürsorge-Gruppen. Ein Jedes wurde in die bestehende Gemeinschaft ihrer Angehörigen hineingeboren und verblieb in diesem Kontinuum in der Regel bis zum Tod. 

Die knapp hundert, als 'heute noch bestehenden Matriarchate' bezeichneten indigenen Kleingesellschaften auf unserer Welt sind Gemeinschaftsorganismen- bzw. -organisationen auf Angehörigenbasis, welche überwiegend die menschengerechte 'Matrifokalität' im überlieferten Sinn praktizieren.

'Das Matrifokal

'Das Matrifokal' oder auch 'das menschliche Kontinuum' ist nicht als vergängliche Episode in einer Abfolge von Gesellschaften zu verstehen. Als naturgemäße Grundlage des Menschseins ist es auch im Patriarchat stets gegenwärtig, wenn auch durch das Diktum der religiös/ideologischen Herrschaftsstrategien aus dem Bewusstsein des Mainstreams getilgt. Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen der (Menschen)Gemeinschaft und der Gesellschaft. Die (Sippen)Gemeinschaft beim Menschen (bei anderen Säugetieren von uns Menschen bezeichnet als Herden, Rudel, Horden, Muttergruppen) im naturgemäßen Sinne, besteht aus einer Ansammlung überwiegend konsanguiner* Angehöriger. In einer überschaubaren Gruppierung verbringen 'auf einander bezogene' doch in ihrer Persönlichkeit frei agierende Individuen ihren Alltag miteinander. Es ist das gelebte Kernmuster der Angehörigengruppe - der matrilinearen Sippe im Sinne einer Natürlichen Mütterlichen Ordnung. Hier finden wir einen interagierenden Personenkreis, der in individueller Entscheidungsfreiheit*** sich in der förderlichen Nähebindung der überwiegend konsanguinen Angehörigen bewegt.

Gesellschaft ist ein größerer und bereits organisierter Zusammenschluss an menschlichen Gemeinschaftsgebilden und Individuen, die einer (bereits tradierten) Leitideologie unterworfen sind. Deren Hauptmerkmal dürfte eine spürbare Anonymität sein, statt gewachsenem sozialen Zusammenhalt. Im gesellschaftlichen Kontext leben wir in der relativen Sicherheit einer (anonymen) Großgemeinschaft, unser Lebensmittelpunkt sind jedoch nach wie vor natürliche Angehörigenbindung oder kulturell geschaffene Kleinorganisationen (wie die aktuelle Familie, Arbeitsstellen oder andere Organisationen) denen wir mit oder ohne Bereitschaftserklärung temporär einverleibt werden oder uns freiwillig zugehörig fühlen. Gesellschaften werden in ihren inneren Abläufen von Vertretern der jeweiligen Machtkonzepte gesteuert (und nur in der heutigen Demokratie besteht für jedes einzelne Mitglied die Illusion des Mitbestimmungsrechtes). Das soziokulturelle Ideologiekonzept der heutigen patriarchalen Gesellschaft variiert nach Kulturkreis, ist aber durchweg androzentriert.

Das soziale, also das zwischenmenschliche, Miteinander in der matrifokalen Grundgemeinschaften bezog sich urtümlich auf den unmittelbar erlebten, alltäglichen Nähekontakt. Dieser war für die Menschenbildung essentiell und ist in unseren Anlagen als unwillkürlicher Drang in Form von Bindungsemotionen zu unseren Angehörigen vorhanden. Bei einem nicht Vorhandensein der natürlichen Bindungsgruppe übertragen wir das Zugehörigkeitsverlangen im Zuge der Überlebensanpassung auf andere, uns sozial nahestehende und möglichst wohlwollenden, Mitmenschen. Hierin liegt m.E. auch die ungebrochene Willigkeit begründet, sich in Peergroups und Paarbeziehungen zu arrangieren und sich diese manchmal auch über jede Vernunft hinaus erhalten zu wollen. Auch das von mir so gern angeführte Stockholmsyndrom hat hier seine Wurzeln. Das Verlangen zu überleben bringt ein Individuum dazu dauerstressige, extreme oder schädliche Situationen in stark fremdbestimmten Abhängigkeitsverhältnissen auszuhalten. Das Zugehörigkeitsverlangen und die lebenswichtige soziale Interaktion kann so durch Repression oder Gewaltexesse beherrscht werden. Patriarchale Strukturen bauen auf dieser Form der Unterdrückung auf.

Soziales, zugewandtes Interagieren auf Basis der matrifokalen Bindungsgemeinschaft regulierte urtümlich den Alltag der matrifokalen Sippengruppierungen. Der gegenseitig zur Anwendung kommende 'Drang zur Angehörigkeit' (basierend auf der Mutterbindung) sowie die individuelle Empathie verknüpft mit notwendiger kollektiver Kooperation, bildete eine Überlebensgrundlage mit der sich die frühen Menschengemeinschaften offenbar erfolgreich erhielten und vermehrten. Das naturgemäß matrifokale Menschsein ist sozusagen die Grundrechenart ohne die es letztlich auch keine „höhere Mathematik“ des soziale Miteinanders in Balance gibt


* konsanguin - verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie (umgangssprachlich auch 'blutsverwandt')
** siehe hierzu: http://www.gabriele-uhlmann.de/pdf/female-choice.PDF
*** siehe 'The Continuum Concept' von Jane Liedloff  

.

30 September 2015

Das weibliche Fühlen und Denken - eine persönliche Betrachtung

Manchmal frage ich mich: besitzen Frauen den Verstand aber Männer benutzen ihn? Ich möchte mich nicht unbeliebt machen, aber noch habe ich immer wieder den Eindruck, dass das weibliches Denken so als gesellschaftliche Erscheinung weder en vogue noch gern gesehen ist. Frauen besitzen unzweifelhaft Verstand, auch wenn der Mainstream vielfach noch dagegen hält. Männer gehen gern ungerührt darüber hinweg.

Es ist u.a. die geistige Komplexität, die den Menschen ausmacht und die Mütter von Anbeginn an ihre Kinder vererben, auch an ihre Söhne. Ja, Frauen besitzen eine Menge Verstand und sind das, was wir vernünftig nennen. Ja mehr noch, (Menschen)Frauen haben die Vernunft erfunden – in natürlichen Ur-Zusammenhängen handelten und fühlten sie im Sinne der Sache, d.h. zum Wohle der Gemeinschaft. Sie sind vorausschauend, wägen ab und bedenken die Folgen - sie handeln also folgerichtig - das ist vernünftig.

Wenn Frauen im wissenschaftlichen Bereich Wissen schaffen, dann fällt imho (freie) weibliche Arbeit prinzipiell anders aus, als die der männlichen Kollegen. Die Geisteswissenschaft, wie die Philosophie, denkt über das Leben nach - auch das können Frauen ausgezeichnet, wenn mann sie lässt und der weiblichen Weisheit nicht die kruden Lehren klassischer Philosophen aufzwingt.

Und verstehen wir unter Religion den rückbindenden Effekt an unsere weiblichen Wurzeln und nicht die Gebote und Gesetze beladenen Lehren der Väter, dann ist für die spirituell denkende und handelnde Frau auch ihre persönliche Religion ein hohes Gut. Diese hat sie getrost und bei klarem Verstand schon immer an ihre Kinder weitergeben bzw. (epigenetisch) vererbt. Die Mutter, ist die Quelle des menschlichen Fühl-Denkens. Die Nähe, das gelebte Beispiel des energetischen Austauschs, Mitteilungen der körperlichen Empfindungen mit allen Sinnen, liebende Wahrnehmung und Zugewandtheit, sind die Transportmittel der mütterlichen Lebenslektionen - des beispielhaften Vorlebens im menschlichen Kontinuum. Fühlen und Denken ist für den Menschen eine Einheit. Aber wir können auch sagen: Am Anfang war das Wort - das Wort zwischen Mutter und Kind und dieser kulturelle Effekt findet im Bindungskraftfeld der menschlichen Nähe statt. Sozusagen pure Mutter-Energie...

Ist also Fühlen auch Denken? Haben wir nicht mal gelernt, das Denken und das Fühlen schön sauber getrennt zu halten sind? Die Ratio, das logische Denken war Männersache, die Emotionen wurden den gefühlsduseligen Weibern nachgesagt. Also was ist weibliches Denken und wo ist es gar mit Intuition und Empathie identisch?

Intuition und Empathie ist, genau wie Fantasie, ein geistig/mentales Werkzeug um mit der Welt in Kontakt zu treten, sie (sich) zu erklären und um ihr zurecht zu kommen und um den Kontakt zu den Angehörigen nicht zu verlieren. Trotzdem habe ich immer wieder den Eindruck, dass Intuition immer noch nicht als eine der grundlegenden evolutionären Leistungen im menschlichen Dasein anerkannt wird.
Intuition ist auch nicht deckungsgleich mit dem Instinkt, der auch noch in uns steckt. Der Instinkt ruft Reaktionen des Urverhaltens ab. Die Intuition rechnet auf Grund unserer persönlichen Erfahrungen die Zukunft für eine Situation hoch. Wir wissen intuitiv was für uns gut und richtig ist und das schon seit unserer Kindheit. Dafür tut der derzeit bestehende patriarchale Lebenszwang, seine Ideologien und Dogmen weder unserer Psyche, noch unserem Geist, noch unserem Körper (natürlich ist das eine Einheit) gut. Der patriarchösen soziokulturellen Unterdrückung entspringt eine Art Miasma, ein permanent bestehendes negatives Energiefeld, in dem wir uns ununterbrochen bewegen. Unsere Körper-Geist-Psyche-Einheit, repräsentiert durch unsere Person, leidet an der patriarchal typischen Fremdbestimmung, aus der weitgehend unser Alltag besteht und die unsere kollektiven sowie persönlichen Abläufe steuert und kontrolliert.

Diese lebensunfreundliche Basis, beruhend auf patriarchalen Denkkonstrukten, zwingt uns auch in dauerhafte, nachhaltige Erlebnisfelder, die uns bestimmte Effekte unseres Erfahrungskosmos epigenetische weitervererben lassen. Traumata werden über mehrere Generationen weitergereicht (z.B. viele der Kriegs- und Nachkriegskinder wissen das bzw. leiden darunter). Und deshalb sage ich auch immer, dass uns Frauen hier in Mitteleuropa noch immer die Hexenverfolgung und -vernichtung in den Knochen (Zellen) steckt. Vielleicht mehr noch als die diversen Kriege. Der sogenannte Hexenwahn zog sich schließlich über fünfhundert Jahre hin. Durchaus ein Zeitraum in dem sich der Schrecken, die Furcht vor Folter und Tod sowie das Misstrauen dem eigenen Geschlecht gegenüber, im Gefühlsmuster von Frauen erfolgreich über Generationen hinweg festgesetzt haben kann. Da ist rationales Denken manchmal machtlos wenn uns diese Gräuel wieder bewusst werden, die unterschwellig noch immer wirken.

In meiner Fernsehzeitung fand ich einmal einen kleinen Artikel, der die Frage in den Raum stellt: Kann der Bauch wirklich fühlen? Und da hieß es u.a.: „... Er kann es tatsächlich, haben Mediziner herausgefunden. Denn im Bauchraum befindet sich ein feines Geflecht aus über 100 Millionen Nervenzellen: nach dem Gehirn und dem Rückenmark die drittgrößte Neuronen - Anhäufung im Körper. Nicht umsonst sprechen Neurologen auch vom Bauchgehirn. Es ist mit dem Gehirn eng verbunden, aber es agiert auch eigenständig. Es denkt. Es fühlt. …“

Handeln aus dem Bauch heraus, ist inzwischen nicht mehr ganz so verpönt, wie zu meinen jungen Tagen. Doch steht die logisch unbegründete Intuition immer noch unter Generalverdacht einfach nur Spinnerei zu sein (und damit liegen diese Kritiker gar nicht mal so falsch, denn 'das Spinnen' ist imho komplexes Denken). Intuitives Handeln ist eigentlich sehr vernünftiges Handeln, es ist die gesamtkörperliche Reaktion auf eine bestehende oder akut auftretende Situation. Auf Grund unserer lebenslangen Erfahrungswerte und -muster errechnet unser Hirn und wer weiß was noch, blitzschnell Zukunftsvarianten und unser Gefühl (und damit die Vernunft) wählt für uns das Beste aus (was sich manchmal erst im Nachhinein herausstellt), denn das was unser Gefühl verantworten kann, ist erst einmal das Beste.

Ich habe immer wieder festgestellt, wenn es mir gut geht und ich über selbstverständliche Einflussnahme auf mein Leben verfüge, wenn ich sozusagen in meiner Mitte bin, findet ein sanfter dauerhafter Austausch zwischen meiner Denkleistung und der stets präsenten Intuition statt, der mir (und damit anderen) überaus gut tut. Ich kenne aber auch genügend, besonders in der Vergangenheit liegende Situationen da ich durch die äußeren Umstände eine ständige Alarmbereitschaft verspürte. Der Stress, dem ich ausgesetzt war, hat ständig alle Nerven klingeln lassen. Es kam zu Phasen einer Dauerpanik oder hilflosem 'nicht wissen, wo zuerst anfangen'. Meine Intuition kam gar nicht zu Wort. Mein Denken war streckenweise wie paralysiert. Entsprechend fielen einige meiner Entscheidungen aus.

Heute lasse ich mich nicht mehr hetzen. 'Ich denk drüber nach!' ist dann der Puffer zwischen einer Forderung und meiner Antwort. Und somit verschaffe ich meiner Intuition die Zeit sich zu entfalten. Eigentlich finde ich es ja doof, dass ich manchmal wesentliche Kenntnisse aus bunten Zeitschriften erfahre! Aber vielleicht ist es ja egal von wo uns die Informationen zufließen, die das Puzzle vervollständigen - ob aus Gesprächen mit klugen Leuten, aus schwergewichtigen Sachbüchern, der Fernsehzeitung oder aus unseren Träumen! Sogar Facebook bzw. das Netz als solches, ist für Informationen der unerschöpfliche Umschlagplatz. Es gilt nur die richtigen Schlüsse zu ziehen und dafür wiederum ist das weibliches Denken hervorragend geeignet.

Stephanie Ursula Gogolin


Ausschnitte aus meinem Essay: Gibt es ein Weibliches Denken...